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Verhandeln Sie trotz Krise Ihr Gehalt

Ulrike Heitze
Dass für Erhöhungen durchaus das Budget vorhanden ist, zeigen aktuelle Erhebungen unter Personalverantwortlichen: Nach einer Studie der Vergütungsberatung Mercer planen deutsche Unternehmen, das Gehalt ihrer Führungskräfte um 3,3 Prozent zu erhöhen. Fachkräfte sollen 3,5 Prozent erhalten. Ihre früheren Schätzungen für 2009 haben die Unternehmen schon leicht nach unten korrigiert. Mitte 2008 hatte man noch damit gerechnet, in diesem Jahr knapp vier Prozent mehr zu zahlen. Möglich ist, dass die Firmen ihre Pläne ein zweites Mal korrigieren, sagt Jutta Kömm, Vergütungsspezialistin bei Mercer. Dass die Einkommen ganz eingefroren werden, wie derzeit bei Yahoo und der Omnicom-Gruppe, zu der Werberiese BBDO gehört, hält die Expertin aber nur in vereinzelten Branchen und Bereichen für wahrscheinlich.Im Vergleich zum Vorjahr fallen die aktuellen Budgets zwar deutlich magerer aus - 2008 gab es laut Mercer im Schnitt 3,9 Prozent mehr, 2007 waren es drei Prozent. Trotzdem sind die Unternehmen auch in diesem Jahr gewillt, über Zuwächse mit sich reden zu lassen. Der Haken: Es gibt nicht für jeden etwas. Die Palette reicht von Nullrunden bis zu sechs, sieben, acht Prozent. In wirtschaftlich miesen Zeiten ist deshalb mehr Fingerspitzengefühl und Verhandlungsgeschick nötig. Die Erhöhungen sitzen längst nicht mehr so locker wie noch im vergangenen Jahr. Immerhin: Es gibt welche.Anders als in finanziell guten Zeiten werden jetzt Mitarbeiter bevorzugt, die das Unternehmen durch die Krise bringen. Gehaltscoach Martin Wehrle hat diese Erfahrung in früheren Krisen gemacht, beispielsweise nach dem Platzen der Internetblase. "Bei der Masse der Belegschaft sind die Gehälter eher gesunken, bei Führungskräften und Leistungsträgern dagegen gestiegen." Thomas Haussmann, Leiter des Bereichs Human Capital bei Watson Wyatt Heissmann, bestätigt: "Die Firmen haben aus der Vergangenheit gelernt. Um nicht wieder beim Anziehen der Konjunktur ein Personalproblem zu bekommen, versuchen sie, ihre guten Leute bei Laune zu halten und an sich zu binden."Das Ziel muss also sein, den Chef von seinen Qualitäten als Leistungsträger zu überzeugen. Während sich jeder gerne selbst für einen solchen hält - schließlich gibt man sich ja ordentlich Mühe im Job -, folgt die Chef-Wahrnehmung anderen Regeln. "Sie müssen Ihre Stellung in der Abteilung und im Unternehmen kritisch unter die Lupe nehmen", sagt Sabine Hansen, Partnerin bei der Personalberatung Heidrick & Struggles. "Sie müssen herausbekommen, wie Ihre Chancen stehen."
Foto: © Junge Karriere
Arbeiten Sie mit den entscheidenden Kunden und Budgets? Sind Sie an strategisch wichtigen Projekten beteiligt? Also dort, wo Umsatz gemacht, das Image verbessert und Kosten verringert werden? Sind Sie Know-how-Träger? Haben Sie Kontakte? Sind Sie eine Marke? Wie sind Sie und Ihre Arbeit bei den entscheidenden Leuten angesehen? Wie war das bisherige Feedback in Personalgesprächen? - All das macht den Wert für das Unternehmen aus.
Wer das analysiert und zu einem befriedigenden Ergebnis kommt, kann seine Trümpfe beim Chef ausspielen. Wer dagegen den Schluss ziehen muss, dass er in jüngster Vergangenheit unauffällig vor sich hingewerkelt hat, dass er geräuschlos austauschbar ist oder dass das zumindest die entscheidenden Leute so sehen, der sollte in den Gehaltsverhandlungen lieber den Ball flach halten. Ein mögliches Ziel sollte dann nur ein Inflationsausgleich von zwei, drei Prozent sein - und der gute Vorsatz, in Zukunft an seiner Sichtbarkeit zu arbeiten.

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