
Auch in der Krise besteht die Chance, eine Gehaltserhöhung zu bekommen. Doch wie hoch würden Sie pokern?
Benjamin Lüpschen ist mit seinen Gehaltsambitionen und dem Ruf "Ich will mehr" nicht alleine, das zeigt eine aktuelle Umfrage des Job-Portals Monster. Demnach planen 45 Prozent aller befragten Arbeitnehmer, auch in diesem Jahr beim Chef um mehr Gehalt zu fragen. Nur jeder Vierte gab an, dass er momentan darauf verzichte, weil ohnehin keine Aussicht auf Erfolg bestehe. Die Bereitschaft, sein Gehalt zu verhandeln, ist in letzter Zeit merklich gestiegen. Vor einigen Jahren noch war das Gros der Belegschaft froh, dass sich die Tarifparteien um die Erhöhungen kümmerten. Mittlerweile ist es in vielen Unternehmen üblich, Ziel- und Bonusvereinbarungen zu schließen.Diese Entwicklung ist begrüßenswert. Denn regelmäßige Gehaltsgespräche sollten zum Standardrepertoire von Fach- und Führungskräften gehören. Die Verhandlungen sind Teil der persönlichen Selbstvermarktung, und weil Firmen den Beitrag eines Mitarbeiters zur Gesamtleistung letztlich in Geld bewerten, ist es sinnvoll, ihm die Chance zu geben, selbst für sein Gehalt zu kämpfen. Wer viel beiträgt, sollte mehr bekommen. Wer seine Ziele nicht erreicht, muss eventuell eine Runde aussetzen bei der Verhandlung, um wie viel das Monatsgehalt ansteigt.In diesem Jahr allerdings werden verhandlungswillige Arbeitnehmer mit Blick auf die täglichen Horrormeldungen aus der Wirtschaft mit einem mulmigen Gefühl beim Vorgesetzten antreten. Ist es überhaupt sinnvoll, um einen Zuschlag zu bitten? Wie kommt das beim Chef an? Welche Forderung ist okay, welche maßlos? Derzeit ist Augenmaß gefordert. Gehaltscoach Martin Wehrle macht Arbeitnehmern trotzdem Mut: "Die Krise trifft längst nicht alle Unternehmen und auch nicht alle zur gleichen Zeit. Wer wirklich gut ist, hat jetzt beste Chancen auf ein erfolgreiches Gespräch." Wer erst bis zum Aufschwung wartet, wird sich anhören müssen: "Jetzt müssen wir uns erst ein bisschen erholen, bevor es wieder mehr gibt." Ohnehin würde sich dann die gesammelte Belegschaft ein Herz fassen und etwas vom Gehaltskuchen abhaben wollen.Der ungeteilten Aufmerksamkeit des Chefs kann man sich also eher jetzt sicher sein. Die sollte ein Arbeitnehmer allerdings nur suchen, wenn er in jüngster Zeit Leistungen vollbracht hat, die eine zusätzliche Belohnung verdienen. Ein erfolgreiches Projekt also, ein gewonnener Neukunde oder eine entdeckte Möglichkeit, Kosten zu reduzieren. Mit Mittelmaß fällt man in der Gehaltsverhandlung eher negativ auf.Drei Berufstätige schildern ihre Erfahrungen mit Gehaltsverhandlungen:30 000 Euro - Einkäufer für Laufsportartikel49 000 Euro - Ärztin für Anästhesie und Intensivtherapie55 000 Euro - Consultant