Christoph Schmidt wurde im März diesen Jahres in den Sachverständigenrat der Wirtschaftsweisen berufen. Im folgenden Interview erzählt er, warum er sich, entgegen der Tradition, mehr für Wirtschaft als für Medizin interessierte, dennoch die Unabhängigkeit als Forscher schätzt.
Herr Schmidt, was haben Sie gedacht als Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg Ihnen die Ernennungsurkunde zum Wirtschaftsweisen überreicht hat?
Es wäre wahrscheinlich nicht weise zu sagen, dass mein Kopf vollkommen leer gewesen ist. Aber ich weiß tatsächlich nicht mehr, was ich gedacht habe. Das war kurz und schmerzlos. Allerdings nicht ohne den Hauch des Augenblicks - für mich jedenfalls.Haben Sie danach gefeiert?
Ich bin an diesem Tag von einem zum anderen Termin gehastet und kam erst spät abends zum Luftholen. Es gab schon am Nachmittag in Berlin einen Workshop "Wirtschaftspolitik in Zeiten der Krise", bei dem wir das RWI präsentiert haben. Das war also auch für uns als Institut ein wichtiger Tag. Gefeiert habe ich nicht. Aber das liegt auch daran, dass ich mich traditionell, nicht aus spirituellen Gründen, zwischen Karneval und Ostern zurückhalte. Irgendwann werde ich sicher ein Glas Sekt auf diesen großen Augenblick trinken, vielleicht auch Champagner.Spüren Sie manchmal Druck und denken: Wie soll ich das alles hinkriegen?
Höchstens zweimal die Woche (lacht).Wie haben Sie erfahren, dass Sie in den Sachverständigenrat berufen werden? Ich bekam einen Anruf vom Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, der sagte, dass sie sich auf mich geeinigt hätten. Und dann lief die Nachricht auch schon über den Ticker. Ich habe mein Team versammelt, informiert und gesagt: Macht die Münder wieder zu.Ihr Vater ist Mediziner. Gibt es in Ihrer Familie ein Forscher-Gen?
Ich vermute schon. Allerdings ist es schwer zu sagen, was genetisch bedingt ist und was von den Einflüssen aus dem Umfeld - nicht nur von Eltern, auch von Freunden - stammt. In der Rückschau sagen alle Verwandten natürlich, sie hätten bei mir schon als Kind bemerkt, dass ich den Dingen gerne auf den Grund gehe.Mediziner wollten Sie nicht werden?
Ich hatte in der Schule gute Noten, und es hieß immer, dass ich bestimmt Medizin studieren werde. Das hat mir nie geschmeckt, und ich habe gedacht: Nee, gerade deswegen nicht. Ich wollte eigentlich BWL an der Universität Mannheim studieren, habe dann aber keinen Platz bekommen und mich für VWL eingeschrieben.
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Foto: G. Altmann/Pixelio
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