Unternehmensberatung

Traumjob Berater?!

Kirsten Ludowig, Carola Sonnet
Der ideale Kandidat
Die Anforderungen haben sich gewandelt. Es sind nicht mehr nur die im Fachjargon als "gestreamlined" bezeichneten uniformierten Volks- und Betriebswirtschaftler gefragt. "Das zeigt die Tatsache, dass sich Berater wie Roland Berger nicht mehr nur an Privat-Unis wie EBS und WHU, sondern auch verstärkt an staatlichen Hochschulen umschauen", sagt Forscher Dietmar Fink. "Dort gibt es unter den BWL-Studenten eine höhere menschliche Vielfalt." BCG-Partner Niclas Storz fügt hinzu: "Wir suchen Kandidaten, die uns überraschen. Zum Beispiel den BWL-Absolventen, der sich nicht nur dem Uni-Stoff gewidmet hat, sondern auch bei einer Nordpolexpedition war."
Darüber hinaus nehmen die Top-Strategen immer häufiger Absolventen anderer Fachrichtungen ins Visier. Nur noch jeder Zweite in der aktuellen Belegschaft von McKinsey und BCG hat einen wirtschaftlichen Hintergrund. Etwa 40 Prozent sind die Exoten, also je zur Hälfte Ingenieure und Naturwissenschaftler, etwa zehn Prozent Komplett-Exoten. Dazu gehören Historiker, Theologen und Philosophen. Auch Dramaturgen, Musiker und Forstwissenschaftler sind inzwischen als Berater tätig. "Sozialkompetenz und Kommunikationsfähigkeit spielen eine immer wichtigere Rolle in der Strategieberatung", erklärt Fink.Was Exoten, komplett oder nicht, von den Wirtschaftswissenschaftlern unterscheidet, sind ihre alternativen Gedankenansätze sowie die Art und Weise, an komplexe Sachverhalte ranzugehen. "Die positive Distanz zu betriebswirtschaftlichen Tools kann sehr erfrischend sein und neue Ideen ins Team bringen", sagt BCG-Partner Storz. Allerdings braucht jeder Berater ein gewisses BWL-Rüstzeug. Alle Nicht-Wiwis bekommen daher nach dem Einstieg einen Crash-Kurs, eine Art Mini-MBA, angeboten.Eins aber müssen alle mitbringen: analytische Stärke. "Eine wichtige Kompetenz eines jeden Beraters ist die Fähigkeit, komplexe Probleme systematisch zu strukturieren und zu lösen", sagt Thomas Fritz, Partner bei McKinsey. Das Fachwissen ist zunächst gar nicht so wichtig. "Beratung ist nicht nur inhaltliche Arbeit. Wir müssen auch zwischen den unterschiedlichen Interessen der Kunden vermitteln und sie für unsere Vorschläge begeistern können", sagt Storz. Einige Branchenkenner behaupten sogar, dass der Berater-Job nicht erlernt werden kann - entweder er liegt einem im Blut oder nicht. Bei den Top-Strategen zu bestehen ist demnach eine Frage des Charakters. Die Personaler haben allesamt schon Bewerber in Gesprächen vor sich sitzen gehabt, denen sie ganz deutlich gesagt haben, dass sie in dem Job nicht glücklich werden.Konzepte allein reichen nichtDie Top-Strategen fragen zudem in den letzten Jahren auch Young Professionals mit zwei, drei Jahren Berufserfahrung nach. "Die Ansprüche der Kunden sind deutlich gestiegen", sagt Dietmar Fink. Ein Grund: Die Kunden sind nicht selten Ex-Berater und fordern gewisse Leistungen ein. Anders als früher erwarten viele Kunden zudem Unterstützung bei der Umsetzung der erarbeiteten Strategie. Mit den Konzepten allein geben sie sich nicht zufrieden. Ein Dauerbrenner ist auch die Frage nach dem Frauenanteil. Bei allen fünf Beratungen liegt er bei den Neueinstellungen zwischen 20 und 30 Prozent. Und mit jeder Hierarchiestufe schrumpft er. In der obersten Höhenlage, auf Partnerebene, sind es im Schnitt nur noch zehn Prozent. Diese Zahlen sind "in der Tat noch ausbaufähig", sagt McKinsey-Partner Thomas Fritz. "Aber wir arbeiten daran."Frauen haben es in der Männerdomäne nicht leicht. "Die Beratung ist teilweise leider immer noch ein Alpha-Tierchen-Business mit Statussymbolen, Ritualen und Verhaltensmustern, die modernen, jungen Frauen fremd sind", sagt Thomas Lünendonk. Um mehr Frauen für sich zu gewinnen, hat BCG einen Recruiting-Workshop im Programm, an dem auch die 28-jährige Annette Häfele, Beraterin bei BCG, teilgenommen hat.Berater im PorträtDie Exotin: Annette HäfeleDer Doktorand: Oliver EhrlichDer Verweigerer: Anton Jurina

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