Viel Geld, kurze Tage, lange Ferien: Die Vorurteile, die Lehrern entgegenschlagen, sind zahlreich. Doch kaum jemand möchte mit ihnen tauschen. Erst recht nicht mit denen, die an einer Hauptschule arbeiten. Doch ist der Job dort wirklich so schlimm wie sein Ruf?
Ein Schüler, der seinen Lehrer wegen schlechter Noten ersticht, eine Schülerin, die mit Molotowcocktails und einem Kurzschwert bewaffnet in die Schule kommt: Für Lehrer sind Konflikte an der Tagesordnung, der Beruf ist härter geworden, die Vorurteile, mit denen sie zu kämpfen haben, nicht weniger. Arbeiten bis mittags, gute Bezahlung, sichere Rente, lange Ferien, sind alles Gründe, die für den Lehrerberuf sprechen. Aber man muss auch die Kehrseite kennen: verhaltensauffällige Kinder, einen hohen Stress- und Lärmpegel, anstrengende Eltern.Der Bedarf an neuen Lehrern ist groß. Knapp 26000 neue Lehrer wurden 2008 eingestellt, der größte Teil in den alten Bundesländern. Im längerfristigen Vergleich ist diese Zahl hoch, aber absolut notwendig, denn Deutschlands Kollegien sind hoffnungslos überaltert: 42 Prozent der Lehrer werden in den kommenden zehn bis 15 Jahren in den Ruhestand gehen. Die Zahl der Absolventen kann diesen Abgang nicht ausgleichen. In naturwissenschaftlichen und technischen Fächern ist der Mangel am größten.Die Länder locken mit der Verbeamtung: Hessen hat das Höchstalter schon auf 50 Jahre heraufgesetzt, in den meisten Ländern liegt es bei 35 Jahren. Das Lockmittel ist stark, denn erst damit wird der Lehrerberuf finanziell interessant: Die Beamten zahlen keine Sozialabgaben, verdienen also netto nicht viel weniger als brutto.Strukturen bieten, die fehlenLars Trömel bekommt an der Käte-Kollwitz-Schule in Langenfeld bei Düsseldorf 2200 Euro netto, davon bezahlt er noch den Beitrag zur privaten Krankenversicherung. Der 34-Jährige unterrichtet 28 Stunden die Woche, zehn Stunden kommen für die Vor- und Nachbereitung dazu. "Hauptschullehrer wird man nicht, weil man so viel verdient", sagt Trömel. "Die psychische und physische Belastung ist hoch."Sobald ein Kollege krank werde, passe es hinten und vorne nicht mehr. Karrieremöglichkeiten gibt es kaum, dafür hat er die Freiheit, seinen Unterricht zu gestalten. Um seinen Job an der Hauptschule beneiden ihn nicht viele, er gleicht oft dem eines Sozialarbeiters: "Wie erkläre ich einem Kind, dass es nicht schlagen darf, wenn es zuhause Ohrfeigen bekommt?" Der junge Lehrer versucht den Schülern die Strukturen zu bieten, die im Elternhaus fehlen, die sie aber dringend brauchen.Er hat eine sechste Klasse mit 20 Schülern. Hauptschulklassen sind kleiner als die an Realschulen mit bis zu 32 Kindern. Laut einer Studie der Universität Potsdam gaben sogar mehr Lehrer die Klassenstärke als Grund für ihren hohen Belastungsgrad an als die Stundenzahl. Nur schwierige Schüler waren für die Befragten belastender.Trömels Schüler kommen aus schwierigen Verhältnissen, sie ecken öfter an als die Gleichaltrigen, viele haben Probleme, sich zu konzentrieren. "Hauptschulen haben einen schlimmen Ruf", sagt Trömel, betont aber gleichzeitig, dass viel Kritik von denen kommt, die noch nie eine Hauptschule besucht haben. "Viel wird von außen an die Schüler herangetragen." Er empfindet sie als ehrlicher und bodenständiger als andere Kinder. Für die Eltern gilt das auch: "Die wissen, wo sie stehen."Der Arbeitsalltag: Vorteile Ein Lehrer mit Vollzeitstelle unterrichtet 30 Stunden die Woche, hinzu kommen mindestens zehn Stunden für die Vor- und Nachbereitung. Sozialabgaben zahlt der Staat, deswegen wird vom Bruttolohn (2766 Euro bis 3110 Euro, Bsp: NRW) nicht viel abgezogen. Nachteile Ein Drittel der Lehrer in Deutschland zeigt Burnout-Syndrome, psychosomatische Krankheiten sind häufig. Gründe sind: der dauerhaft hohe Lärmpegel, große Klassen, und verhaltensauffällige Kinder.
Meterhohe Aktenstapel, Fotos von den Kindern, Spielfiguren aus Plastik: Schreibtische sind nicht nur nüchterne Arbeitsfläche, sondern Spiegel der Seele und unserer Gesellschaft. Weil unsere Arbeitswelt im Umbruch ist, wird der eigene Schreibtisch aber zum Auslaufmodell. Die Zukunft gehört flexiblen Arbeitsplätzen.
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Unternehmen aus Zukunftsberufsfeldern decken ihren Fachkräftebedarf am leichtesten in den drei Großstädten, während sie in München und Stuttgart händeringend danach suchen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Langzeitstudie von karriere.de.
Foto: G. Altmann/Pixelio
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