Realitäts-Check

Traumberuf Juniorprofessor?

Carola Sonnet
Nach drei Jahren werden die Nachwuchskräfte evaluiert, nach weiteren drei Jahren laufen ihre Verträge aus. Dann können die Universitäten sie übernehmen - oder sich dagegen entscheiden. Wie sich gezeigt hat, werden viele Verträge eben nicht verlängert. Für die Akademiker ist das ein empfindlicher Karriereknick. Denn Juniorprofessoren sind Spezialisten auf ihrem Gebiet und oft für den normalen Arbeitsmarkt überqualifiziert oder ungeeignet.Auch als Privatdozenten dürfen sie nicht arbeiten ohne abgeschlossene Habilitation. Laut einer Studie des Centrums für Hochschulentwicklung aus dem Jahr 2007 gab ein Drittel der befragten Juniorprofessoren an, sich parallel auch noch habilitieren zu wollen. Das Modell der Alternative zur Habilitation wird so ad absurdum geführt.Kein Mut zur RevolutionIn anderen Staaten wie den USA hat sich der sogenannte "tenure track" bewährt, mit dem Universitäten sich festlegen, ihre Professoren unter der Bedingung nachweislich hoher Leistung weiterhin zu beschäftigen. Taubert würde diese Möglichkeit gerne öfter an deutschen Hochschulen sehen. Die Unis hier hätten aber noch nicht begriffen, dass der "tenure track" für sie kein größeres Risiko darstelle. Kein Professor, der nicht gut genug sei, müsse deshalb gehalten werden.Taubert hat seine erste wissenschaftliche Evaluation überstanden und kann drei weitere Jahre in Potsdam bleiben. Aber was, wenn seine Juniorstelle nach drei weiteren Jahren nicht in eine normale Professur übergeht? Sein Zwischenfazit nach gut drei Jahren ist ernüchternd: "Den Mut zur Revolution hatte man nicht. Das hat die Idee der Juniorprofessur untergraben."Juniorprofessur897 Juniorprofessuren an 65 Universitäten wurden in Deutschland geschaffen. Zwei Drittel der Stellen sind besetzt.Nach drei Jahren müssen die Nachwuchsprofs die wissenschaftliche Evaluation bestehen.Eine Habilitation ist für eine Juniorprofessur nicht notwendig. Das kann sich jedoch als problematisch erweisen, wenn der Vertrag nicht verlängert wird.Mit 3500 Euro brutto verdienen die Nachwuchswissenschaftler so viel wie Lehrer in der Besoldungsgruppe A 13 (Gymnasium/Realschule).Mit 36 Prozent liegt der Frauenanteil bei Juniorprofessoren mehr als doppelt so hoch wie bei herkömmlichen Stellen.Weitere Berufe im Realitäts-Check:Traumberuf Architekt?
Dieser Artikel ist erschienen am 05.02.2010

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