Beerdigung

Totenmesse auf Bestellung

Lukas Grasberger
Dort, an der Kirchenorgel in einem kleinen Liechtensteiner Dorf keimte auch der Gedanke, die Requiem-Idee zu professionalisieren. Immer öfter sei es passiert, dass die Leute mit dem Wunsch an die Orgel gekommen seien: Wenn ich einmal beerdigt werde, musst du mir ein spezielles Stück spielen. "Das waren dann überhaupt keine kirchlichen Stücke, einmal wollte jemand ,Auf, Sattel die Hühner, wir reiten nach Texas' gespielt haben. Ich kenne das Stück bis heute noch nicht. Aber sonst habe ich eigentlich immer alle Wünsche erfüllt." So kam die Idee, das Geschäft mit Totenmessen größer zu vermarkten.Der studierte Komponist tat sich mit seinem Bruder Gerold, einem Wirtschaftsund Marketingprofi zusammen, der auch bereit war, in die Idee zu investieren. Gemeinsam fanden sie weitere Investoren, die das Startkapital auf rund 400 000 Euro aufstockten und gingen 2007 mit einer Internet-Seite an den Start. Es brauche viel Kapital, sich bekannt zu machen in Kreisen der Wohlhabenden, sagt Gründer Schädler. So habe die Präsenz auf Millionärsmessen in Wien und Amsterdam einiges an Geld gekostet. Außerdem war das Einspielen der Stücke für Klangbeispiele auf der Homepage nicht billig - ganze Orchester mussten dafür gebucht werden.Die kleinste Komposition kostet 5000 EuroSchädler präsentiert dort gängige Requiem-Bestandteile wie ein "Sanctus"; auch ein Stück in Richtung Broadway-Musical und eine Requiem-Jazz-Version sollen Entscheidungshilfen bieten. "Bisher wollten alle Klienten etwas im Mozart-Stil, leichtere Klassik." Umsonst ist der Tod auch bei Schädler keineswegs: Ein Industrieller und ein Banker aus dem mittleren Management haben bei ihm mittelgroße Kompositionen bestellt und sind bereit, dafür, inklusive Aufführung, 30 000 bis 40 000 Euro zu zahlen. Die einfachste Version mit einem Instrumentalisten ist für 5 000 Euro zu haben, ein großes Requiem mit Symphonieorchester würde etwa eine halbe Million kosten.Die Voraussetzungen für das junge Unternehmen sind günstig. "Der Markt für individuelle Angebote rund um die Bestattung hat sich gerade in den letzten Jahren vergrößert. Das wächst deutlich", sagt Rolf-Peter Lange, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Bestattungsunternehmen (VDB). "Dies sind entweder Personen, die auch selbstbewusst gelebt haben, oder Prominente." Hier würde Langer auch Requiem for You verorten. "Solche Angebote kommen nur für eine begrenzte Anzahl von Menschen infrage, aber sie funktionieren." Schwarze Zahlen schreibt das Unternehmen noch nicht. "Wenn wir binnen drei Jahren nicht auf zehn Aufträge kommen, müssen wir uns etwas überlegen", sagt Geschäftsführer Gerold Schädler.Und was, wenn ein Kunde nach der Bestellung eines Requiem-Werks ein biblisches Alter erreicht? Müssen die Schädler-Brüder dann auf das Geld für diese Musik für die Ewigkeit quasi ewig warten? "Wir verrechnen das in Tranchen. Für die Arbeit, die wir fürs Komponieren benötigen, werden wir sofort bezahlt", sagt Schädler. Damit später genügend Geld für die Beerdigungsfeier vorhanden ist, gebe es zwei Modelle: Das einer Bankgarantie sowie das einer Versicherung. "Wir sind dann einfach bis zu dem Zeitpunkt bezahlt, zu dem wir die Arbeit gemacht haben", sagt Marco Schädler. "Das Requiem wartet dann, bis der Klient verstirbt. So grausam das auch klingt."
Dieser Artikel ist erschienen am 25.09.2009

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