Kündigung

Tiefpunkt als Motivation für neue Wege

Daniel Rettig, wiwo.de

Foto: pressmaster/Fotolia

Unerwarteter Absturz

Was macht das mit einem Menschen? Andreas Rades kann diese Frage leicht beantworten. Der Wirtschaftsinformatiker arbeitet seit etwa 25 Jahren in der IT-Branche, zuletzt war er beim Düsseldorfer Beratungshaus Emprise Consulting zuständig für ein Team von 60 Mitarbeitern. Als Rades dort 1999 anfing, erlebte der Neue Markt gerade seine Boomphase. In seinen besten Zeiten erwirtschaftete Rades jährlich einen Umsatz von zehn Millionen Euro. Firmenfeiern für die 200 Mitarbeiter fanden auf Mallorca statt, Rades fuhr als Dienstwagen einen Audi A6.

Heute fährt er einen sieben Jahre alten VW Touran. Den Beginn seiner neuen Bescheidenheit markierte ein Tag im Jahr 2007. Rades war gerade mit Frau und drei Kindern im Spanienurlaub, als das Telefon klingelte. Ein Mitarbeiter warnte ihn vor, dass die Sekretärin gerade seine Entlassung in den Briefkasten werfe. In dem Brief stand, dass er fristlos gekündigt sei und sich am nächsten Arbeitstag bei der Geschäftsführung melden solle.

Den Niedergang der Firma hatte Rades zwar schon seit einiger Zeit kommen sehen – der Börsenhype und der Zwang, das Geld der Investoren zu vermehren, erhöhten den Umsatzdruck, die Margen sanken, die Kosten für Gehälter und Zinsen stiegen. Es war klar, dass Entlassungen irgendwann unvermeidbar sein würden. Bloß: Dass es ihn treffen würde, damit hatte Rades nicht gerechnet. Erst recht nicht im Urlaub. Und schon gar nicht, dass er sich mit seinem Arbeitgeber eines Tages vor Gericht treffen würde. Dort konnte Rades mithilfe seines Anwalts die fristlose Kündigung in eine fristgerechte umwandeln. 

Neustart als Unternehmer

Er erhielt eine Abfindung plus drei Monatsgehälter. Ende März 2008 verließ er das Unternehmen endgültig, zuvor war er drei Monate lang freigestellt. Drei Monate, in denen sich Rades eine Frage stellte: Wie soll es weitergehen? Seine Antwort: Er machte sich selbstständig. Bereits wenige Monate nach seiner Entlassung gründete er mit zwei Freunden das Unternehmen NGN-Europe.

Die IT-Beratungsfirma sucht Spezialisten für andere Unternehmen, die einen Dienstleister, einzelne Entwickler oder gleich ein ganzes Projektteam brauchen. Kürzlich kam etwa ein spanisches Unternehmen auf ihn zu, das 100 IT-Fachkräfte nach Deutschland vermitteln will. Derzeit durchforstet Rades seine Datenbank nach geeigneten Partnern.

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