Start-up

Studenten als Firmengründer

Tanja Könemann
Wann immer Teamarbeit in den Kursen gefragt ist, schließt er sich mit Mitgründer und Kommilitone Willi Tscheschner zusammen: Wenn sie gemeinsam eine Präsentation halten oder eine Seminararbeit schreiben müssen, setzen sie sich einfach gleich in der Firma zusammen. Das spart Zeit. Auch die anderen Signavio-Gründer wissen von Peters' engem Zeitplan. Er hält sie ständig auf dem Laufenden, sie können seinen online geführten Kalender einsehen. Außerdem spricht er offen an, wenn er wegen einer anstehenden Prüfung weniger arbeiten kann als sonst.Meist verstehen ihn seine Kollegen, denn auch die anderen Signavio-Gründer haben einen universitären Background: Torben Schreiter ist Alumni der Universität Potsdam, Gero Decker ist Doktorand und Mathias Weske Leiter des Fachgebiets Business Process Technology des Hasso-Plattner-Instituts. Sie kennen die doppelte Belastung aus eigener Erfahrung.Bessere Noten trotz StressDass Nicolas Peters nebenbei nicht auch noch jobben kann, liegt auf der Hand. Muss er derzeit aber auch nicht, sagt er. Einerseits überweisen ihm seine Eltern regelmäßig Geld, zusätzlich lebt er von dem Exist-Gründerstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums. 1200 Euro hat er monatlich im Schnitt zum Leben zur Verfügung. Damit komme er aus, sagt er, das sei schließlich genauso viel wie mit einem Studentenjob, den er sich statt der Firmengründung hätte suchen müssen. Trotz seiner vielen Aufgaben zweifelt Peters nicht daran, dass er sein Studium zum Abschluss bringen wird. Erfolgreich, denn seit er gegründet hat, haben sich trotz permanentem Stress seine Noten verbessert. Mittlerweile hat er alle seine Scheine zusammen und gönnt sich eine Auszeit von der Uni.Doch bald schon geht das Lernen wieder los: Im Sommer 2010 soll seine Masterarbeit fertig sein. Nicolas Peters will sie am Wochenende und an höchstens zwei Tagen in der Woche schreiben. Den Rest der Zeit verbringt er bei Signavio. Eine Sieben-Tage-Woche also wieder, bis auf weiteres.Die richtige Uni findenWer während des Studiums gründen will, braucht Unterstützung. Ob und wie Universitäten Gründern unter die Arme greifen - das hat Jürgen Schmude, Professor für Gründungsforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität München, in seiner Arbeit "Vom Studenten zum Unternehmer: Welche Universität bietet die besten Chancen?" ermittelt. Er rät Gründern in spe, bei der Wahl der Hochschule auf folgende Fakten zu achten:- Wie viele Veranstaltungen gibt es für potenzielle Gründer? 
- Welche Leistungen bietet die Uni? Können Gründer beispielsweise Büroräume nutzen?
- Ist die Universität Mitglied eines Gründungsnetzwerks? 
- Ist die Förderung von Gründern dauerhaft angelegt oder steht und fällt sie mit einer befristet angelegten Stiftungsprofessur? 
- Werden gründungsrelevante Veranstaltungen im Rahmen des Studiums anerkannt? 
- Sind bestehende Angebote für Gründer einfach zu finden - etwa im Vorlesungsverzeichnis?
Schmude schätzt die Chancen für junge Unternehmer an den deutschen Hochschulen als gut ein: "Gründer erhalten dort zunehmend Unterstützung." In seinem Ranking steht die Universität Potsdam dieses Mal auf dem Siegertreppchen. Alle weiteren Platzierungen sind hier zu finden.Hier finden Sie Tipps zur "Existenzgründung":
Unterstützung: Geld für arbeitslose Gründer
Dieser Artikel ist erschienen am 22.01.2010

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