Gründer, die noch studieren, müssen lernen, beides voranzutreiben. Nur mit viel
Einsatz lassen sich Studium und Start-up verbinden. Wie es gelingen kann, zeigen die Gründer des Software-Unternehmens Signavio.
Die Woche hat für Nicolas Peters meist sieben Arbeitstage. Fünf davon ist er Leiter der Softwareentwicklung bei Signavio. Der 26-Jährige hat das Berliner Start-up mitgegründet, das Softwareprodukte herstellt, die Unternehmen dabei helfen sollen, Prozesse individuell zu steuern. Informatiker Peters passt die Signavio-Software an die Wünsche der Kunden an, unterstützt sie bei der Arbeit mit den Programmen und führt ein Team von mehreren Mitarbeitern.Das Büro verlässt er unter der Woche meist nur zum Schlafen - und um Veranstaltungen der Universität Potsdam zu besuchen. Denn Peters ist nicht nur Gründer und Chefentwickler, er ist auch Student der Softwaresystemtechnik. Die Vor- und Nachbereitung seiner Kurse sowie Lernen für Klausuren oder Hausarbeiten schreiben: Das alles erledigt Peters am Wochenende zu Hause oder in längeren Pausen zwischen den Seminaren an der Uni - vorausgesetzt, er hat mehrere Veranstaltungen an einem Tag.Uni Potsdam belegt den ersten PlatzFür den Informatiker ist klar: "Wenn ich mit meinen Uni-Sachen darauf warte, dass im Büro nichts zu tun ist, werde ich nie mit dem Studium fertig. Wenn ich zu wenig an der Signavio-Software arbeite, kommen wir mit den Produkten nicht voran." Um keines zu vernachlässigen, versucht er, Uni und Start-up zu verbinden, wo er nur kann. Dieter Wagner hilft Studenten, beiden Aufgaben gerecht zu werden. Der Professor für Betriebswirtschaftslehre leitet das Institut für Gründung und Innovation an der Universität Potsdam, einer Hochschule, die im Ranking der gründerfreundlichsten Universitäten den ersten Platz belegt.Gründern in spe wird hier Beratung und Coaching angeboten. Informatiker Peters belegte am Institut Kurse zu den Themen Managementlehre und Businessplan und setzte sich mit Finanzierungs- und Rechtsfragen auseinander. "Während des Studiums zu gründen - das ist eine hohe Belastung", sagt Wagner. "Deshalb helfen wir, wo wir nur können." Hätten er und sein Team bei einem Studenten den Verdacht, er vernachlässige die Uni, suchten sie das Gespräch.Uni erkennt Firmen-Leistung an"Wir fahnden dann gemeinsam nach einer Lösung." Das könne zum Beispiel ein noch fehlender Leistungsnachweis sein, für den Wagner dann eine im eigenen Unternehmen erbrachte Leistung anerkennen kann: Für ein erfolgreich umgesetztes Projekt könne es zum Beispiel einen Schein in Projektmanagement geben. Uni und Start-up zugleich voranzubringen - das hat auch schon für Nicolas Peters funktioniert. Als er an einem Seminar zur Internetsicherheit teilnahm, entwickelte er ein Anmeldeverfahren, das später Eingang fand in die Signavio-Software. Dafür erhielt er einen Leistungsnachweis.Um so viel wie möglich aus seinen sieben Arbeitstagen herauszuholen, muss Peters ständig organisieren. Gewissenhaft führt er einen Kalender, um keinen Termin zu verpassen. Frei wählbare Termine an der Uni werden so gelegt, dass sie an die Seminare anschließen. Dann muss Peters nur einmal fahren.
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Foto: G. Altmann/Pixelio
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