Arbeitspsychologie

"Stress kann auch positiv sein"

Tina Groll / Zeit.de
Dennoch lässt sich Stress nicht in Werten messen.
Das macht es auch so schwer, Stress im Arbeitsschutz zu regeln. Die gleiche Situation kann bei verschiedenen Mitarbeitern völlig unterschiedliche Reaktionen hervorrufen. So gibt es Menschen, die sehr ausgeglichen sind, andere wiederum, sind sehr schnell gestresst. Und dann gibt es noch Adrenalinjunkies, die ganz bewusst die besonderen Herausforderungen suchen. Sie sind übrigens wenig gefährdet, an den Folgen von Stress zu erkranken.
Aber sie sind süchtig nach Stress?
Ja, es sind Menschen, die sich schnell langweilen, immer wieder neue Herausforderungen suchen und sich dann aber auch entspannen und erholen.
Wenn man im Job unter Stress leidet, was sollte man tun?
Es gibt zwei Strategien. Die eine wird aktive Bewältigung genannt. Man kann das Arbeitspensum reduzieren und versuchen, effizienter zu arbeiten. Weil das häufig nicht möglich ist, hilft die zweite Strategie, die kognitive Umdeutung. Man versucht, die bedrohliche Situation anders wahrzunehmen. Stellen wir uns Studenten in der Prüfung oder einen Angestellten vor dem Mitarbeitergespräch vor. Statt sich zu fürchten, könnte man versuchen, sich zu freuen, seine Kompetenzen zu zeigen und darauf zu vertrauen, wie gut man sich vorbereitet hat.
Bei einer Dauerstressbelastung in einem Betrieb, in dem viel zu wenige Mitarbeiter viel zu viel Arbeit verrichten müssen, wird dies aber wenig bringen.
Dann hilft es, sich emotional von der Arbeit zu distanzieren. Häufig steckt hinter dem negativen Stress auch zu hoher Druck, den man sich selbst macht. Perfektionisten sind darum besonders gefährdet. Sie neigen dazu, irgendwann nicht mehr die Erfolge, sondern nur noch die Misserfolge zu sehen.
Was sollten Führungskräfte beachten?
Sie sind Schlüsselpersonen. Der wichtigste Parameter für die Gesundheit der Mitarbeiter ist das Verhalten der Führungskraft. Sie bestimmen das Pensum – und müssen alles das realistisch verteilen. Sie müssen dafür sorgen, dass die Mitarbeiter weder unterfordert noch überfordert werden. Führungskräfte müssen Feedback geben und Erfolge herausstellen. Wer vergisst, seine Mitarbeiter nach erfolgreich abgeschlossenen Projekten zu loben und damit für Anerkennung zu sorgen, gefährdet ihr Engagement und letztlich sogar ihre Gesundheit. Viele Mitarbeiter kommen irgendwann in eine Gratifikationskrise. Sie haben das Gefühl, sie Arbeiten unter Hochdruck, aber der Output stimmt nicht. Leider werden nur die wenigsten Führungskräfte darin geschult, was gesundes Arbeiten ist. Hier gibt es noch einen großen Nachholbedarf.
(Zuerst erschienen bei Zeit Online)Lesen Sie auch:
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Dieser Artikel ist erschienen am 02.09.2010

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