Gruppenarbeit

So klappt es mit dem Teamwork

Tobias Peter
Der Stänkerer: Kritisch, aber nicht konstruktiv
Der Stänkerer und der Trittbrettfahrer
Der Stänkerer: Probleme, Probleme, Probleme. Der Termin ist ungünstig. Das Vorhaben ist zu kompliziert und zu aufwändig. So wie geplant lässt sich bei der Präsentation auf gar keinen Fall etwas reißen. Am besten die Gruppe packt gleich wieder ein. Der Stänkerer ist der klassische Bedenkenträger: nur dass diese Bezeichnung viel zu nett und harmlos für ihn ist. Die bloße Teilnahme an dieser ach so unproduktiven Gruppenarbeit ist weit unter seiner Würde. Er wirkt wie ein militanter Vegetarier, der aufgefordert ist, eine Rinderroulade in Specksoße zuzubereiten und zu verspeisen. Da aus seiner Perspektive grundsätzlich alle Ideen erst mal schlecht sind, hat er selbst sicherheitshalber natürlich keine. Dafür zerlegt er mit umso größerer Energie jeden Vorschlag der anderen so lange in Einzelteile, bis die völlige Untauglichkeit zweifelsfrei erwiesen ist. Der Stänkerer zieht so nicht nur die Stimmung in der Gruppe herunter, sondern kann im Extremfall auch den gesamten kreativen Prozess lahm legen.
Lieblingssatz: "An einer ähnlichen Aufgabenstellung sind schon meine letzten drei Arbeitsgruppen gescheitert."
So wird er/sie am besten in die Gruppenarbeit eingebunden: Damit der Stänkerer möglichst wenig zu beklagen hat, sollte er von Anfang an offensiv in alle Entscheidungen einbezogen werden. Wenn das nichts nützt, hilft nur noch die Konfrontation: "Du machst alles mies und arbeitest nicht mit." Als Ultima Ratio kann der Rest der Gruppe den Klassenclown auf die Nervensäge hetzen - mal schauen, wie der Stänkerer es findet, wenn er in seiner destruktiven Art ununterbrochen nachgeäfft wird.
Der Trittbrettfahrer: Während die anderen intensiv diskutieren, sitzt der Trittbrettfahrer ruhig und scheinbar teilnahmslos da. Doch er ist sehr aufmerksam. Wann immer - sei es auch nur in einem Nebensatz - eine gute Idee zur Sprache kommt, merkt er auf. Doch anstatt "großartig" zu rufen und den Ideengeber zu beglückwünschen, wartet er noch einige Minuten. Dann schlägt seine Stunde: "Für mich ist die Sache völlig klar. Mein Vorschlag ist, dass..." - wobei er mit anderen Worten die fremde Idee referiert. Kurzum: Der Trittbrettfahrer erkennt gute Ideen sofort und gibt sie als die eigenen aus. Er verhält sich also genauso wie ein Schüler, der in der Mathearbeit die ganze Zeit beim Sitznachbarn abschreibt - und hinterher bei den Mitschülern penetrant mit seiner Eins minus angibt. Wenn es um die Umsetzung des Ganzen geht, hält er sich dann gern zurück. Schließlich kann er sich darauf berufen, die Diskussion entscheidend beeinflusst zu haben.
Lieblingssatz: "Wichtige Ideen sind kein Zufall, sondern harte Arbeit."
So wird er/sie am besten in die Gruppenarbeit eingebunden: Es ist wie in der Schule: Am klügsten ist, den Trittbrettfahrer so oft wie möglich als Ersten zu einer Antwort aufzufordern - dann muss er selbst etwas beitragen. Wenn er eine Idee klaut, sollte der eigentliche Urheber freundlich, aber bestimmt darauf hinweisen, so in der Art: "Ich finde es gut, dass du diesen Vorschlag von mir übernommen hast." Aber: Es spricht auch nichts dagegen, die Spürnase des Trittbrettfahrers zu nutzen. Ihm entgeht einfach keine gute Idee.
Das Alpha-Tier und der KlassenclownDas Alpha-Tier: Mangelndes Selbstbewusstsein kennt das Alpha-Tier nicht. Breitbeinigkeit ist seine Lebens- und Geisteshaltung: ob in der Disko oder in der Sauna, sogar beim Einkaufen im Supermarkt. Natürlich gilt das auch im Seminarraum oder im Unternehmen, wenn es um die Zusammenarbeit mit den Kollegen geht. Das Alpha-Tier kann alles, weiß alles - und das natürlich auch noch viel, viel besser als der lästige Rest um ihn herum. Davon ist es jedenfalls selbst fest überzeugt. Die Realität ist anders. Das Alpha-Tier kann zweifellos viel, weiß einiges - und doch macht einer allein noch keine Gruppe. Allerdings hat diese Person eine überaus wichtige Begabung: Sie kann führen. Also angenommen, die Gruppe ist in der Krise und streitet sich sinn- und endlos - Wie lautet das Thema? Pizza bestellen oder nicht? Kommt da ein Komma hin? -, dann kann das Alpha-Tier energisch auf den Tisch hauen. Und dafür sorgen, dass wieder der erfolgreiche Abschluss der Gruppenarbeit in den Mittelpunkt rückt. Das Problem ist nur: Um seinem Führungsanspruch gerecht zu werden, tritt das Alpha-Tier oft so dominant auf, dass andere Gruppenmitglieder eingeschüchtert werden und ihre Kreativität gar nicht erst abrufen. Allzu gern verlassen sich auch viele auf den Vorturner, der sich im Gegenzug beklagt, alles allein machen zu müssen.
Lieblingssatz: "So ein ähnliches Problem habe ich schon mal auf der Hochbegabten-Akademie, für die ich ausgewählt wurde, gelöst - und ich habe damit einen Preis gewonnen."
So wird er/sie am besten in die Gruppenarbeit eingebunden: Das Alpha-Tier sollte mit seiner Durchsetzungskraft der Gruppe helfen, ohne dass die Veranstaltung zur "One Man Show" wird. Das funktioniert am besten, wenn der Anführer viele organisatorische Aufgaben übernimmt (Treffen ansetzen, mit unzuverlässigen Teilnehmern telefonieren, um den Zwischenstand der Arbeit abzufragen).
Der Klassenclown: Lustig, lustig, tralalala, schon ist der Klassenclown da. Bereits seit er in der dritten Klasse die volle Aufmerksamkeit seiner Schüler dafür erhielt, dass er seinen Kakao durch die Nase getrunken hatte, hält er sich für den geborenen Entertainer. Er scheint sich tatsächlich sicher zu sein: Die anderen lachen nicht über ihn, sondern mit ihm. Deshalb reißt er ununterbrochen Witze - zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit. Mit übertriebenem Körpereinsatz spielt er die Auftritte von schlechten Comedians nach, die er im Fernsehen gesehen hat. Dann macht er schnell noch ein paar blöde Bemerkungen zu den Klamotten anderer Gruppenmitglieder. Dabei käme ihm nie in den Sinn, dass seine Lieblings-Donald-Duck-Socken mehr als nur lächerlich sind. Wenn in der Gruppe alles aus dem Ruder läuft, findet der Klassenclown das lustig und erfrischend. Wenn alles einigermaßen gut läuft, ist er erst recht gut drauf. Ein bisschen Spaß muss und darf ja auch sein. Und ist gut für die Stimmung. Aber an diesem Hanswurst mit Hang zum Zappelphilipp und seinen höchst albernen Wortwitzen ("Guck mal, ein Schlepptop!") ist wirklich ein Moderator für das Kinderfernsehen verloren gegangen. Für eine Gruppe normal beschaffener Erwachsener ist er auf Dauer wirklich zu anstrengend.
Lieblingssatz: "Alles Chlor, Leute?"
So wird er/sie am besten in die Gruppenarbeit eingebunden: Er hält sich für einen überaus begnadeten, bewundernswerten Komiker. Das Gegenteil lässt sich leicht beweisen: Keiner darf lachen. Sollte das noch nicht reichen, ist in Erwägung zu ziehen, ob sich alle gleichzeitig mal eine Stunde lang wie der Klassenclown aufführen. Vielleicht merkt er es ja dann.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.01.2008

Der jobturbo: eine suche - alle jobs

Thema des Tages

Büro-Organisation

Allgemeinbildung

Werden Sie eine Fair Company

 

Die besten Trainee-Stellen

Karriere-Städteranking

Jobsuche + Bewerbung

Wer verdient wieviel?

Newsletter bestellen

Berufsreport