Weconomy

Shopping im Videoclip

Lars Reppesgaard
Cavi hat mittlerweile im Norden von Hamburg Räume bezogen. Über einen Business Angel bekam das Duo Kontakt zu Michael Breyer, einem erfahrenen Manager und ehemaligen Berater von Roland Berger, der bereits für Tchibo IT-Projekte umgesetzt hat. Der sorgt nun dafür, dass der Laden der Technologieenthusiasten solide geführt wird.Plattenfirmen hatten als Erstes ein offenes Ohr, als Reisig ihnen von der Chance berichtete, nicht nur mit vorgeschalteten Werbefilmen - sogenannten Pre-Roll-Ads- zu werben, wenn Zuschauer ihre Inhalte auf Videoplattformen wie Youtube oder MyVideo interessant finden.Inzwischen verfolgen neben Musikern und Labelmanagern auch Modezaren, Filmemacher und Einzelhändler mit großem Interesse, wie die Idee funktioniert, Konsumenten durch Anklickbares in Videos zum Einkaufen zu animieren. Und natürlich wollen auch die Betreiber der Videoplattformen wissen, ob man mit den eingebetteten Onlineshops Umsatz machen kann."Die Möglichkeiten sind riesig. Wir stehen erst ganz am Anfang und probieren aus, was funktioniert", sagt Reisig. Der Hobby-Läufer, der sich gerne beim Joggen an der Alster den Kopf freipustet, weiß aber auch, dass seine junge Firma einen langen Atem braucht. Aber wenn das Geschäft funktioniert, ist das eine kleine Sensation. Denn bislang ist der Betrieb von Videoplattformen ein Zuschussgeschäft - die Werbeeinnahmen decken in der Regel nicht die Kosten.Betreiber von Videoplattformen wittern ein ZusatzgeschäftPro Minute werden beispielsweise bei Youtube, der erfolgreichsten Videoplattform der Welt, 20 Stunden Videomaterial hochgeladen. Es vorzuhalten und bei Bedarf für Netznutzer abzuspielen, kostet viel Prozessor- und Speicherplatz, während die Werbe-Euros und -Dollars durch Pre-Roll-Ads und Anzeigen neben den Filmen erst zögerlich rollen. Die Lust der Fans auf das Madonna-Top mit einem Shop im Video gleich zu Geld zu machen, ist deshalb für viele Web-Fachleute ein naheliegender Ansatz.Auch Matthias Falkenberg, Geschäftsführer von SevenOne Interactive, dem zweitgrößten deutschen Online-Vermarkter, sieht viel Potenzial in der Idee der Neu-Hamburger. "Die Invideo-Shopping-Technologie stößt die Tür zu einem ganz neuen Zeitalter auf", sagt er. Vor allem in Verbindung mit Onlinewerbung könne ein völlig neues Geschäftsmodell entstehen.Unabhängig davon, in welchen Bereichen das Shoppen beim Videogucken Fuß fassen wird - Dominik Reisig ist jedenfalls froh darüber, den Schritt in die Unternehmensgründung gewagt zu haben. "Ich wollte schon immer mein eigenes Ding machen. Ich finde Geschäftsideen einfach spannend", sagt er. Und wenn man die noch dazu Chance hat, einen Markt zu revolutionieren, ist das natürlich viel spannender, als irgendwo lediglich als Trainee einzusteigen.
Dieser Artikel ist erschienen am 02.10.2009

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