Jobwechsel

Selbstständig im Internet

Tina Groll / Zeit.de
Wie viel Zeit hat Sie das Fernstudium gekostet und wie haben Sie das neben der Vollzeitarbeit durchgehalten?
Man braucht Ehrgeiz und Disziplin, man muss sich sehr gut selbst organisieren. Ich habe das Studium in der vierjährigen Regelstudienzeit abgeschlossen und habe 2004 mein Diplom gemacht. Der Abschluss an einer staatlich anerkannten Fernuniversität ist mit dem einer normalen Hochschule gleichwertig. Aber der Weg dahin ist deutlich anstrengender. Etwa 15 bis 20 Stunden in der Woche muss man für so ein Studium rechnen. Wobei es Spitzenzeiten gibt, da braucht man mehr. Ich habe auch mal zwei Tage Urlaub genommen, um zu lernen. Und es gibt auch diese Phasen, in denen man sich kaum motivieren kann. Problematisch ist ja: Man lernt vor allem allein zu Hause. Für Freunde und Familie ist man scheinbar anwesend, aber man hat gar keine Zeit, weil man den ganzen Stoff lernen muss. Zwar bieten die Fernuniversitäten häufig auch einen Online-Campus an, man tauscht sich mit den Kommilitonen in Foren und per Mail oder am Telefon aus – aber die Hänger-Phasen muss man trotzdem allein bewältigen. Ich habe mich motiviert, in dem ich mich für erfolgreiche Prüfungen belohnt habe – zum Beispiel mit einem schönen Essen. Man darf auf keinen Fall in langen Zeiträumen denken. Und man sollte Abwechslung ins Lernen bringen.
Parallel zum Fernstudium haben Sie Ihr heutiges Unternehmen aufgebaut, die Plattform Fernstudium-Infos.de. Wie kam das?
Mir ist aufgefallen, dass es kaum Infos zum Fernstudium gibt – obwohl immer mehr Menschen diese Form der Weiterbildung nutzen. Ich habe ganz laienhaft angefangen, die von mir zusammengesuchten Informationen ins Netz zu stellen. Erst über ein Forum, dann über die Website. Ich habe immer mehr recherchiert, Interviews mit den Fernuniversitäten geführt, die Angebote verglichen, Service-Stücke zu den Themen geschrieben, die einen Studenten interessieren, der ein Fernstudium macht. Und so ist das gewachsen. Es kamen immer mehr Nutzer, das Material wuchs ständig – und die Serverkosten sind enorm gestiegen. Ganz zu Anfang habe ich alles privat bezahlt, das war so eine Art Hobby von mir. Dann habe ich begonnen, das Angebot über Werbung zu refinanzieren.
Heute leben Sie davon. Wie kam das? Wollten Sie der Versicherung schnellstmöglich den Rücken kehren?
Im Gegenteil, das Unternehmen hat mich die ganze Zeit gefördert. Ich habe auch nach dem Studium in einer anderen Abteilung gearbeitet. Eine Versicherung hat Verwendung für einen Informatiker mit kaufmännischer Ausbildung. Ich war noch zwei Jahre nach dem Studium in der Firma. Doch dann gab es Umstrukturierungen. Zur gleichen Zeit wuchs meine Website und ich spielte immer mehr mit der Idee, mich selbstständig zu machen. Für diesen Schritt kam mir meine kaufmännische Ausbildung zugute. Ich hab auch immer mehr gemerkt, dass mich das Portal viel mehr ausfüllt als mein Job bei der Versicherung. Ich hatte das Gefühl, ich mache etwas, dass mir wirklich Spaß macht, das anderen Menschen nutzt, und dass ich das gerne Vollzeit täte. Schließlich bekam ich von meinem Arbeitgeber ein Abfindungsangebot. Etwas Besseres hätte nicht passieren können.
Sie hatten das Startkapital, um mit Fernstudium-Infos.de in die Selbstständigkeit zu gehen?
Genau. Das war 2007. Ich hatte das schon vorbereitet, und es war ein nahtloser Übergang. Ich hatte während meines Fernstudiums gemerkt, dass ich eigentlich alle Qualifikationen lerne, die man als Freiberufler braucht: Selbstorganisation, effektiv und alleine arbeiten zu können oder auch Ideen sofort umzusetzen.

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