Afrika

Schwarz ist eine Farbe

Kirsten Ludowig
Werbeanzeigen sind knappJede Ausgabe kostet 3,50 Euro. Das Magazin wird direkt über Abonnements (etwa 1 000) und Kioske in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertrieben. 75 Prozent der Leser sind deutsch. Ein Team von 30 ehrenamtlichen Autoren - Berufstätige, Rentner, Studenten - füllt die 60 Seiten. Die Redaktion ist ein kleiner, ehemaliger Hausmeisterraum mit schmutzig-braunem PVC-Boden in einem Dortmunder Studentenwohnheim. Ein trostloser Plattenbau mit dunklen Fluren, aber günstiger Miete. "Ich brauche kein Schickimicki-Büro, ich stecke das Geld lieber in das Magazin. Allein der Druck kostet pro Ausgabe bis zu 5 000 Euro", sagt Tatah. Anzeigenkunden gibt es wenige. "Ich habe kein Händchen für Akquise", gesteht sie. Kaum zu glauben, bei ihrem Redestrom.

Es gibt viele Nächte, in denen sie bis drei, vier Uhr früh an einem der Schreibtische sitzt, Texte redigiert oder das Layout fertig gestaltet - auch wenn sie um sechs Uhr mit ihren Söhnen Verki und Doh, zwölf und acht Jahre alt, wieder aufstehen muss. Sie wurden geboren als Tatah noch studierte. Der Vater, mittlerweile ihr Ex-Mann, ist ebenfalls Kameruner und lebt in Essen. "Die Beiden sind schon ziemlich selbständig. Das müssen sie auch sein, bei der Mutter", sagt Tatah. Zum Glück gibt es auch noch die deutsche Wahl-Oma, die nebenan wohnt, die Kinder mittags gut bürgerlich bekocht und auf sie aufpasst. "Eine Win-Win-Situation", nennt das Tatah: "Oma Irene hat keine Enkel und ihr Mann ist vor 20 Jahren gestorben. Sie kümmert sich um uns und wir uns um sie." Ein Bild für die Götter, sei das, wenn die großen, schwarzen Jungs mit der kleinen 88-jährigen Oma zum Plus gingen. Tatah lacht lauthals.
Ehrenamt bringt auch Schwierigkeiten mit sich"Veye ist immer gut gelaunt und kann Menschen mitreißen", sagt Vereinskollege Hans Decker, der auch Projektleiter des Magazins ist. Nichtsdestotrotz sei so ein Ehrenamt immer eine Gratwanderung. "Das sind alles freiwillige Helfer, sie kann keinem sagen ,Du musst!'. Und wenn sie doch mal Druck ausübt, kann es sein, dass die Leute sagen ,Lass mich in Ruhe' und sie die Arbeit alleine machen muss." Tatah selbst bezeichnet das Magazin als ihr drittes Kind. Und genau so hängt sie daran. "Sie ist in gewisser Weise rücksichtslos gegen sich selbst. Ich sage ihr öfter, dass sie auf sich aufpassen muss", erzählt Decker. Ein paar Bekannte aus Kamerun haben Tatah sogar den Spitznamen "Margaret Thatcher, die eiserne Lady" verpasst.

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