Literatur

Schmökern statt rauchen

dpa
Mit vier Euro sind die bis zu 132 Seiten dicken Bücher recht günstig. „Das war leider nicht zu ändern, denn das gibt die Mechanik des Automaten vor“, erklärt Bülow. Damit sich das Buchprojekt selbst trägt, sind die Büchlein in Schwarz-Weiß gedruckt. Das sei billiger und erlaube auch spontane Nachdrucke. Denn so langsam gehen die neun Titel mit einer Auflage von jeweils bis zu 500 Stück zur Neige.Die Idee der Buchautomaten ist dagegen nicht neu. Bereits 1912 vertrieb der Reclam-Verlag seine Heftchen in Automaten. Wenig später standen deutschlandweit rund 2000 Buch-Spender in Bahnhöfen, Wartesälen, Kasernen und Krankenhäusern. In den 1930er Jahren probierte auch der britische Penguin-Verlag den Automatenverkauf mit dem „Penguincubator“. 2003 ging in Berlin ein ähnliches Projekt an den Start. Dort bestückte der SuKuLTuR-Verlag Süßwaren-Automaten mit Leseheften. Neben Weingummi oder Schokoriegeln konnte man fortan Literatur für einen Euro erwerben. Nach Verlagsangaben wurden bislang mehr als 50 000 Hefte der fast 100 Titel verkauft.Zahlreiche Städte interessierten sich für die BuchautomatenGerade für Kleinverlage sei der Automatenvertrieb interessant, da keine Personal- und Ladenkosten anfallen, sagt von Bülow. Als Konkurrenz zum etablierten Buchhandel sieht von Bülow ihren Automatenverlag aber nicht. Deutschlandweit gibt es mehr als 4000 Buchhandlungen, die den Großteil der Bevölkerung mit Literatur versorgen. Ihr Angebot sei dagegen sehr bescheiden. „Das ist eher eine kleine Bereicherung des Buchhandels“, sagt die Verlagsleiterin. Erst kürzlich hat sich etwa die Mayersche Buchhandlung nach den robusten Buchautomaten erkundigt.Den Käufern gefällt der Lesestoff zum Ziehen. Einige Kunden bedankten sich etwa für die Bücher als spontane Geschenkidee. Mittlerweile hat von Bülow Anfragen aus zahlreichen Städten, um dort einen umgebauten Zigarettenautomaten aufzustellen. Auch Interessenten aus dem Hamburger Rotlicht-Milieu seien schon auf sie zugekommen. Erotische Literatur in Automaten mit Altersbegrenzung kann sich von Bülow gut vorstellen. Gekauft werden könnte dann nur mit EC-Karte oder Personalausweis - wie bei modernen Zigarettenspendern. Anders als bei diesen bestehe aber kein
Gesundheitsrisiko: „Süchtig machen dann höchstens die Geschichten.“
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Dieser Artikel ist erschienen am 22.06.2010

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