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Schmökern statt rauchen
In Hamburg sollten Sie auch als Nichtraucher mal an einem Zigarettenautomaten stehen bleiben. Dort können Sie statt Glimmstängel nun auch Bücher ziehen. Im ersten Bücherautomaten gibt es jetzt das kleine Buch für Zwischendurch - vielleicht bald auch in Ihrer Stadt.
Ein Klimpern, dann ein kräftiger Ruck und die Metallschublade des Zigarettenautomaten steht offen. Zum Vorschein kommt eine kleine weiße Pappschachtel. Darin befinden sich jedoch keine süchtig machenden Glimmstängel, sondern eine kompakte Portion Lesestoff. „Das ist der erste Literaturautomat in Hamburg“, sagt die Erfinderin des Automaten, Bettina von Bülow.
Neun Büchlein gibt es in dem oliv-gelb lackierten Buchautomat an der Wand des Abaton-Kinos nahe des Uni-Geländes. „Ein idealer Standort, hier kommen viele unterschiedliche Menschen vorbei“, sagt die 45-Jährige, die mit ihrem Angebot den kleinen Lesehunger für zwischendurch bedienen will.
Die Idee zum Buchautomaten hatte von Bülow schon seit langem. Zusammen mit ihrem Kompagnon Martin John gründete sie den Hamburger Automatenverlag und entwarf ein erstes Verlagsprogramm. Jung, frech und witzig sollten die Autoren sein. Bald waren neun Buchtitel gefunden. Anstatt aber extra einen Automaten bauen zu lassen, kaufte sie alte mechanische Zehnschacht-Automaten und schrumpfte das Buchformat auf die Größe einer Kippenpackung.
Unterschiedliche Themen im Frühling und Herbst
Reichlich Erfahrungen im Literaturbetrieb sammelte sie in rund 20 Jahren als leitende Lektorin bei renommierten Verlagen. Bis zu 70 Stunden pro Woche redigierte sie Texte - auch solche, die sie selbst nicht mochte. Das ist nun anders. „In den Automat kommen nur Buchtitel, hinter denen ich auch selbst stehe.“
Wie im regulären Buchhandel präsentiert von Bülow ein Frühlings- und ein Herbstprogramm. Auf eine Gattung festlegen will sich Bülow aber nicht. Mit im Angebot sind neben Kurzgeschichten auch ein Fotobuch, grafische Romane, Comics, Krimis und Liebesgeschichten. „Ich will die Menschen mit vielen unterschiedlichen Themen konfrontieren.“ Zu den beliebtesten Titeln gehören der „Stadtführer Hamburg für erwachsene, berufstätige Frauen“ und ein Kochbuch für Kinder. „Das ist für die Kinder mit berufstätigen Rabeneltern“, sagt von Bülow augenzwinkernd.
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