Auslandsjob

Rückkehrer auf Jobsuche

Astrid Oldekop
Nora Rath, 40, kam zurück aus DubaiFoto: © Gregor Schlaeger
Porträt Nora Rath, 40: "Von einem auf den anderen Tag gekündigt"
"Im November 2008 wurde mein Job von Dubai in ein Niedriglohnland verlagert. Mein Arbeitgeber, ein großer deutscher Konzern, sagte mir von heute auf morgen: ,Tschüss!' Das geht mit einem lokalen Vertrag, da gelten keine Kündigungsfristen. Damals habe ich gemerkt, dass die Krise losgeht. Viele wollten es nicht wahrhaben, aber es wurden kaum mehr hochqualifizierte Leute eingestellt. Mein Arbeitgeber hat noch drei Monate lang für mein Visum gesorgt. In dieser Zeit habe ich einen Job bei einem deutschen Start-up in Dubai gefunden. Doch das Geschäft war hart und ich habe gedacht: ,Wenn ich schon kämpfen muss, dann lieber in Deutschland.'Ich wollte einen Neuanfang und bin deshalb im April 2009 nach Hamburg gezogen, nicht in meine Heimatstadt München. Es ist nicht einfach, zurück in das System zu kommen. Jetzt bekomme ich nicht mal Arbeitslosengeld, weil ich über ein Jahr lang nicht eingezahlt habe. Die 14Jahre, die ich zuvor schon gearbeitet habe, zählen nicht. Trotzdem schätze ich die Rechtssicherheit hier. In Dubai gilt ein Vertrag nur wenig. Ich weiß, dass ich jetzt ins Krankenhaus komme, wenn ich einen Unfall habe. In Dubai ist das nicht selbstverständlich. Obwohl es dort offiziell eine Mindestpflichtversicherung gibt, schließen viele Unternehmen sie nicht ab. Ich bereue nicht, dass ich ins Ausland gegangen bin, auch wenn es beruflich und persönlich sehr hart war. Aber ich muss das Ganze erst mal verarbeiten und schnell eine Stelle finden, denn meine Ersparnisse gehen zu Ende. Wenn ich heute Leute treffe, die von Dubai schwärmen, halte ich meinen Mund und denke: Lass uns in sechs Monaten noch mal darüber sprechen."Porträt Rüdiger Hesse, 31: "Deutschland oder Singapur""Ich bin ein Paradebeispiel für die Generation Praktikum. Direkt nach meinem Wirtschaftsstudium landete ich in der Tretmühle der schlecht bezahlten Praktika. Nach einem halben Jahr habe ich aber verstanden, dass dieses System nicht funktioniert. Daher beschloss ich, ins Ausland zu gehen. Weitere 6 Monate später sass ich in in Bombay und habe dort 3 Jahre für ein indisches IT-Unternehmen gearbeitet. Dort lernte ich auch meine Frau kennen, die aus Russland kommt. Ihr bin ich dann letztes Jahr nach Moskau gefolgt und arbeite jetzt für Siemens im Controlling. Wir planen aber nicht in Russland zu bleiben. Die strengen Einwanderungsgesetze und Visabestimmungen sind eher integrationsfeindlich. Auch bin ich aufgrund der willkürlichen, populistischen Wirtschaftspolitik sehr skeptisch, was die Zukunft Russlands angeht.Daher denke ich darüber nach, nächstes Jahr nach Deutschland zurückzukommen. Das ist meine Rückfalloption. Im Moment gibt es dort aber kaum Stellen in meinem Berufsfeld. Nach fünf Jahren im Ausland bekäme ich wahrscheinlich auch erstmal einen Kulturschock. Eine andere, wahrscheinlich bessere, Alternative ist Singapur, weil ich denke, dass sich Asien am schnellsten von der Krise erholen wird und ich bereits in Indien erlebt habe, wie dynamisch die Leute in Asien sind. Man darf sich das Leben im Ausland aber nicht als Abenteuerurlaub vorstellen. Das ist kein Selbstläufer. Es ist auch nicht besser als in Deutschland, nur anders. Viele haben naive Vorstellungen davon, was sie in der Fremde erwartet. Für mich persönlich kann ich aber sagen : ,Ich habe es nie bereut, ins Ausland gegangen zu sein.'"
Dieser Artikel ist erschienen am 01.09.2009

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