Interview mit David de Rothschild

"Plastiktüten sollten verboten werden"

Carola Sonnet
Aber Sie arbeiten auch mit Unternehmen zusammen und lassen sich von ihnen die Expeditionen finanzieren.
Ja, ich glaube, dass es nur zusammen funktioniert. Wenn sie unsere Projekte als Sponsoren unterstützen, haben sie selbst auch etwas davon. Wir bieten mit unserem Schiff zum Beispiel eine Lösung an, die ein Vorbild für die Industrie sein könnte, weil sie zeigt, was man aus Müll Sinnvolles herstellen kann, und wir beraten Unternehmen, wie sie nachhaltiger wirtschaften können.
Wie sind Sie überhaupt auf dieser Natur-Schiene gelandet?
Ich habe eine Ausbildung in Naturmedizin. Du bist, was du isst, das war das Wichtigste, was ich gelernt habe. Und ich war schon immer lieber draußen als drinnen, habe meine Freizeit in der Natur verbracht, nicht nur mit Sport.
Ihre Extremsportarten Bungeejumping, Skydiving und Paragliding waren also nicht der Auslöser?
Nein, das ist nur eines dieser Label, das man mir aufgeklebt hat. Der Extremsportler und Abenteurer. Ein Abenteurer bin ich, aber nur, weil ich damit etwas bewirken kann.
Sie wären also lieber kein Abenteurer?
Ich müsste lügen, wenn ich behauptete, dass mir die Expeditionen nicht auch Spaß machen. Aber ich wäre glücklicher, wenn wir die Umwelt nicht zerstören würden und ich meine Zeit einfach so mit Abenteuerreisen verbringen könnte. Die Menschen haben vergessen, wie eng wir mit der Natur verbunden sind, die wir da gerade aufgeben.
Sie sind der jüngste Brite, der sowohl am Nord- als auch am Südpol war. Warum war Ihnen das wichtig?
War es überhaupt nicht. Es macht doch keinen Unterschied, ob ich der Jüngste war oder nicht. Ich war da, es war unglaublich, es hat mich inspiriert. Aber wir leben in einer Gesellschaft, die Labels und Titel liebt. Deswegen lande ich immer schnell in einer Schublade.
Haben Sie denn schon mal darüber nachgedacht, sich wie jeder andere ins Büro zu setzen und einen normalen Job zu machen?
Ich habe einen normalen Job, sogar mehrere. Ich weiß ja nicht, was Sie als normal bezeichnen, aber ich habe meine eigene Umweltorganisation Adventure Ecology, ich leite eine Stiftung, ich bin Autor, Dozent und Abenteurer. Mir würde auch einer davon reichen.
Gehen Sie eigentlich Ihren Freunden nicht manchmal auf die Nerven mit Ihrer ganzen Weltverbesserung?
Ich zwinge niemandem meine Meinung auf, ich sage nicht: "Lass das sein" oder "Tu dies oder das". Ich will die Leute informieren, damit sie selbst Entscheidungen treffen.
Nach dem Motto: Wenn sich jemand ändern will, wird er schon von selbst drauf kommen?
Genau. Man kann niemandem befehlen: "Hör auf zu rauchen." Das geht nach hinten los. Jemandem auf die Nerven zu gehen ist meistens die falsche Strategie. Aber ich versuche, die Leute wieder in Kontakt mit der Natur zu bringen.
Die Süddeutsche Zeitung hat Sie einmal als "Jürgen Trittin in sexy" bezeichnet. Wissen Sie überhaupt wer das ist?
Nein, ich habe noch nie von ihm gehört.
Er war acht Jahre deutscher Umweltminister und hat den Atomausstieg durchgesetzt.
Dann kann ich mit diesem Vergleich sehr gut leben.
Zur PersonDer jüngste Sohn von Sir Evelyn Robert de Rothschild hat sich gegen eine Karriere in der Bankiers-Dynastie, die zu den einflussreichsten Familien in der Finanzwelt zählt, entschieden. Stattdessen studierte er Politik und Wirtschaftsinformatik in Oxford und machte einen Abschluss in Naturheilkunde. Der 31-Jährige reist als selbstständiger Abenteurer und Unternehmer seiner Umweltorganisation Adventure Ecology um die Welt, um auf die zunehmende Umweltverschmutzung und -zerstörung aufmerksam zu machen. Er war der jüngste Brite, der sowohl den Nord- als auch den Südpol bereist hat, und gehört zu den vom World Economic Forum in Davos benannten Young Global Leaders. Voraussichtlich Ende des Jahres wird de Rothschild mit seiner Mannschaft auf einem 18 Meter langen Boot aus 12 000 Plastikflaschen zum großen Müllstrudel (Great Eastern Garbage Patch) segeln. Mehr Informationen auf: www.theplastiki.comLesen Sie mehr zum Thema "Umweltschutz"Jobs in der EnergiebrancheCSR: Corporate Social ResponsibilityStart up: Nullenergiehaus
Dieser Artikel ist erschienen am 01.12.2009

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