Marketing und Vertrieb

Öffentlicher Dienst sucht Verkaufstalente

Kirstin von Elm
Grafik: Produktmanager und VertriebFoto: © Ralph Stegmaier
Selbst feste Tarifgehaltsregeln empfinden rund 60 Prozent der Umfrageteilnehmer inzwischen als positiv, weil sie fair und kalkulierbar wirken. "Werte wie Sozialverträglichkeit, Sicherheit und Zuverlässigkeit sind für viele Kandidaten derzeit überzeugender als hohe Gehälter oder steile Karrieresprünge", bestätigt Stepstone-Vorstand Frank Hensgens. Bestes Beispiel: In die Liste der zehn beliebtesten Arbeitgeber, die das Berliner Trendence Institut jährlich ermittelt, wählten BWL-Absolventen kürzlich zum ersten Mal das Auswärtige Amt (siehe Grafik Seite 2).
Zwar plant GTAI im kommenden Jahr keine zusätzlichen Einstellungen, offene Marketingpositionen gibt es dafür aber regelmäßig auf regionaler Ebene. Alle Bundesländer oder auch einzelne Wirtschaftsregionen investieren zunehmend in die Markenbildung und werben gezielt um Investoren. Ausgeschrieben werden offene Stellen in der regionalen Wirtschaftsförderung und im Standortmarketing entweder direkt von den Wirtschaftsministerien der Länder oder von eigens gegründeten Marketinggesellschaften, zu deren Trägern beispielsweise neben den beteiligten Kommunen oft auch Industrie- und Handelskammern, Banken, Sparkassen oder auch Unternehmensberatungen gehören.Bewerber müssen Diplomatie und Sprachkenntnisse mitbringenGerade für Absolventen sei der Einstieg im Standortmarketing eine tolle Chance mit ausgezeichneten Karriereperspektiven, findet Sylvia Knecht. Sie ist Geschäftsführerin der Standortmarketing-Gesellschaft Region Köln/Bonn mit Sitz in Köln: "Wie die Spinne im Netz lernen Sie hier vom Bürgermeister bis zum Wirtschaftskapitän automatisch sämtliche Größen der Region kennen", sagt Knecht. Bewerber sollten daher nicht nur gängige Marketingwerkzeuge beherrschen, sondern müssen vor allem auch politisches Verständnis, Diplomatie und Sprachkenntnisse mitbringen. Und Verkaufstalent: "Alle meine Leute sind richtig gute Vertriebler", betont die Chefin.Zu Knechts sieben Mitarbeiter großem Team zählt Carsten Weis. Seit Juni 2008 arbeitet der 33-jährige Diplom-Kaufmann in Köln als Projektmanager und kümmert sich schwerpunktmäßig um internationale Messeauftritte. Außerdem verantwortet er die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. An der Universität Paderborn und der niederländischen Utrecht Business School hat er von 1997 bis 2004 BWL mit Schwerpunkt Marketing, Personal und Wirtschaftsinformatik studiert.Nach seinem Studium war er Club Manager im Hilton Cologne Hotel und betreute den eigenständigen Fitness- und Wellness-Club und plante Events und Marketingmaßnahmen, um neue Kunden zu gewinnen. Als ihm dort im Zuge einer Umstrukturierung der Entscheidungsspielraum drastisch gestutzt wurde, wechselte er in die Köln-Bonner Standortmarketing-Gesellschaft. "Mein Job ist sehr abwechslungsreich, ich treffe einflussreiche Leute und kann viel allein entscheiden", sagt Weis.BWLer lockt der MarkennameEine klassische Marketingkarriere in der Industrie reizt ihn dagegen weniger. Während des Studiums absolvierte er unter anderem ein Praktikum bei Beiersdorf im Nivea-Produktmanagement: "Das war schon interessant, aber auch sehr zahlenbasiert. Der Bezug zum Produkt hat mir gefehlt", sagt er. Viele BWL-Absolventen lockt dagegen vor allem ein zugkräftiger Markenname. Trotz Absatzkrise und Kurzarbeit würden die meisten nach wie vor am liebsten für einen der großen Automobilkonzerne arbeiten, die neben der Deutschen Lufthansa und den großen Unternehmensberatungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften auf den vorderen Rängen des Trendence Absolventenbarometers 2009 liegen. Auch große Konsumgüterkonzerne wie L'Orèal, Procter & Gamble oder Coca-Cola finden sich unter den Top 20.Mit einem mittleren Einstiegsgehalt von 41000 Euro gehören Produktmanager laut Personalmarkt zu den am besten bezahlten Marketing-Fachkräften, Berufserfahrene können nach drei bis sechs Jahren im Job sogar mit rund 54000 Euro Jahresgehalt rechnen. Mit deutlichem Abstand folgen Spezialisten für Online- und Direktmarketing oder Marktforscher, die jeweils mit rund 36000 Euro Jahresgehalt starten.

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