Verbände, Länder und öffentliche Institutionen investieren verstärkt ins Marketing und in den Vertrieb. Es locken Jobs im Standort-, Kultur- und Wissenschaftsmarketing. Für Absolventen eine Chance, ihr Können bei den öffentlichen Dienstleistern unter Beweis zu stellen.
Mit Standort-Marketing die Krise bekämpfen - die australische Provinz Queensland hat clever vorgeführt, wie das geht: Über 35000 Menschen bewarben sich im Frühjahr beim staatlichen Tourismusamt in Brisbane um den "besten Job der Welt" - ein halbes Jahr bezahlter Abenteuerurlaub in einer schicken Strandvilla am Great Barrier Reef mit der einzigen Verpflichtung, per Video-Blog Touristen die Vorzüge der Region als Urlaubsparadies anzupreisen.Die medienwirksame Aktion - Experten beziffern den Werbewert der 850000 Euro teuren Kampagne auf stolze 50 Millionen Euro - hat Vermarktungsprofis aus aller Welt Respekt abgenötigt. Eine von ihnen ist Katrin Bartelt. Auch sie hat zahlungskräftige Ausländer im Visier. Sonne und Riffe kann sie zwar nicht bieten, dafür aber qualifizierte Fachkräfte, ein modernes Transport- und Verkehrswesen und verlässliche Zulieferer. Die 30-jährige Berlinerin wirbt nicht um Touristen, sondern um ausländische Investoren. Die studierte Diplom-Kauffrau arbeitet für Germany Trade and Invest, kurz GTAI. So heißt die neue Gesellschaft für Exportförderung und Standortmarketing der Bundesrepublik Deutschland mit Sitz in Berlin und Köln.Zum einen unterstützt GTAI deutsche Unternehmen dabei, sich attraktive Auslandsmärkte zu erschließen, um von den milliardenschweren Konjunkturpaketen, die viele Länder jetzt aufgelegt haben, zu profitieren. Zum anderen sprechen Vertriebsmitarbeiter gezielt ausländische Unternehmen in aller Welt an, damit sie Fabriken, Forschungslabore, Logistikzentren oder Verwaltungsstützpunkte in Deutschland eröffnen. Überzeugende Gründe und maßgeschneiderte Marketingstrategien für die gezielte Kundenansprache liefert ihnen Katrin Bartelt, die sich in der Abteilung Industriepromotion schwerpunktmäßig um die Branchen Chemie und Gesundheit kümmert.Vertrieb trotz Krise stabilVor der Gründung von GTAI im Januar 2009 waren Export- und Wirtschaftsförderung in Deutschland jahrelang auf verschiedene Behörden verteilt - nicht unbedingt die effizienteste Lösung. Der Zusammenschluss der früheren Bundesagentur für Außenwirtschaft mit der staatlichen Invest in Germany GmbH zur GTAI zeigt: Ausgelöst durch die globale Wirtschaftskrise bringen inzwischen nicht nur Unternehmen, sondern auch Länder, Verbände und öffentliche Institutionen Marketing und Vertrieb auf Vordermann. Für Jobsuchende lohnt es daher, sich beispielsweise auch im Standort-, Kultur- oder Wissenschaftsmarketing nach offenen Stellen zu suchen.Nach Angaben der Personalberatung Adecco ist bei öffentlichen Dienstleistern die Anzahl der Job-Offerten für Marketing- und Vertriebsfachkräfte deutlich weniger eingebrochen als in der freien Wirtschaft (siehe Grafik Seite 2). Insgesamt schrieben beispielsweise Behörden, Verbände und öffentliche Gesundheits-, Energie- und Bildungsbetriebe von Januar bis Ende Oktober 2009 knapp 1600 Stellen in deutschen Printmedien aus. Das sind etwa so viel wie die Chemie- und Pharmaindustrie zu besetzen hatte und deutlich mehr als die Konsumgüterbranche anbot.Der größte Anteil der rund 10000 Marketingjobs fällt laut Adecco allerdings auf den Handel, gefolgt von der Finanz- und Immobilienbranche, die in den ersten drei Quartalen 2009 etwa jede sechste freie Stelle anboten. Ein Blick auf den Stellenindex der Online-Jobbörse Monster zeigt, dass der Arbeitsmarkt für Marketing und PR derzeit heftiger unter der Krise leidet als der Vertriebsbereich.
Deutschland ade: Unternehmen verlagern Produktion, Verwaltung und Forschung in alle Welt – weil Schwellenländer wettbewerbsfähiger werden und Manager durch Herkunft und Werdegang so weltoffene wie nüchterne Kalkulierer sind wie keine Generation vor ihnen.
Meterhohe Aktenstapel, Fotos von den Kindern, Spielfiguren aus Plastik: Schreibtische sind nicht nur nüchterne Arbeitsfläche, sondern Spiegel der Seele und unserer Gesellschaft. Weil unsere Arbeitswelt im Umbruch ist, wird der eigene Schreibtisch aber zum Auslaufmodell. Die Zukunft gehört flexiblen Arbeitsplätzen.
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Unternehmen aus Zukunftsberufsfeldern decken ihren Fachkräftebedarf am leichtesten in den drei Großstädten, während sie in München und Stuttgart händeringend danach suchen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Langzeitstudie von karriere.de.
Foto: G. Altmann/Pixelio
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