Wirtschaft

Noch lange keine Gleichstellung

Tina Groll / Zeit.de
Einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung aus dem Jahr 2009 zufolge verdienen die Männer schon beim Einstieg in das Berufsleben mehr als ihre weiblichen Kolleginnen. In dieser Altersgruppe ist die Lücke je nach Branche zwischen 5 bis 18 Prozent groß. Mit der Zahl der Berufsjahre nimmt der Abstand noch weiter zu. Dann ziehen auch die ehemals in Noten schlechteren männlichen Mitschüler und Kommilitonen an den jungen Frauen vorbei.Die Geschlechterstereotypen sind so manifest, dass sie auch auf die Partnerwahl durchschlagen. Männer suchen Frauen, die zwar erwerbstätig und unabhängig sein sollen, aber die ihnen nicht überlegen sind. Frauen suchen Männer, die zumindest für eine kurze Zeit die Rolle als Ernährer erfüllen können. Weil die Strukturen der Arbeitsgesellschaft so angelegt sind, dass Kinderbetreuung und Vollzeit-Erwerbsarbeit in den ersten Lebensjahren eines Kindes nur schwer möglich sind, ist es am Ende eine private und ganz wirtschaftliche Entscheidung: Sie steigt eine Weile aus oder reduziert die Arbeitszeit im Job, weil er mehr verdient und sich das Paar das Projekt Familie anders nicht leisten kann.Hinzu kommt, dass Karriere nur diejenigen machen, die lange und viel arbeiten. Eine Führungsposition ist noch immer als "Anderthalb-Personenberuf" angelegt, wie es die Soziologin Elisbath Beck-Gernsheim beschreibt. Aber um zwölf Stunden pro Tag arbeiten zu können, braucht er oder sie eine Person im Hintergrund, die ihm oder ihr den Rücken freihält. Meistens stecken die Frauen zurück. Ihre Karriere kommt häufig auf den unteren und mittleren Positionen zum Stillstand. Ende des Aufbruchs an der gläsernen Decke.Männer suchen ihre neue RolleDie Frauenbewegung tritt aber auch auf der Stelle, weil die Männer zu zaghaft sind. Natürlich gibt es sie, die Männer in Frauenberufen, die Väter, die ihren Kinder zuliebe auf die Karriere verzichten. Das Elterngeld, durchgesetzt und eingeführt von einer Kanzlerin und einer Familienministerin, hat dazu einen Beitrag geleistet. Die Zahl der Männer in Elternzeit ist seit Einführung auf 20 Prozent angestiegen.Die jungen Väter suchen eine neue Rolle – als Mann und als Vater. Sie sind die neuen Vorbilder. Sie erobern sich Teilhabe an den weiblichen Bereichen der Gesellschaft. Von diesen Vorbildern gibt es jedoch noch viel zu wenig. Solange die Männer sich nicht auf den Weg machen, werden die Frauen mühsam auf der Stelle treten. Und so lange braucht es den Internationalen Frauentag. Noch besser wäre allerdings ein Internationaler Männertag, der dazu dienen sollte, dass sich Männer Teile der weiblich dominierten Gesellschaftsbereiche erobern.(Zuerst erschienen auf ZEIT ONLINE)
Dieser Artikel ist erschienen am 08.03.2010

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