Erfindung

Neue Wärmetechnik fürs Buffet

Max Haerder
So funktioniert die WarmhaltetechnikFoto: © Ralph Stegmaier
Vor allem, weil Hafner seine Partner überzeugen konnte, die Entwicklungskosten selbst zu tragen. Stolz ist er deshalb auf sich, seinem Grundsatz treu geblieben zu sein: "Ich wollte nie Geld von Freunden oder von der Familie annehmen. Das habe ich bis heute durchgehalten." So weit ging Hafners Prinzipientreue, dass ein zweiter Auftritt bei der Erfindermesse IENA fast gescheitert wäre, weil sich Hafner damals die Übernachtungen am Veranstaltungsort Nürnberg nicht leisten konnte. Aber er rief im Hotel an und bat darum, sein Produkt nur fünf Minuten lang vorstellen zu dürfen. Sie reichten, um den Geschäftsführer zu überzeugen: Hafner bekam erst die Übernachtungen zum Herbergspreis. Und dann wurde das Hotel Hilton Nürnberg zu seinem wichtigsten Testpartner.
Das sperrige Gerät fällt weg"Die wollten das einfach haben. Bei denen war sofort ein Funkeln in den Augen", erinnert sich Hafner. Sein Buffetsystem ist gerade für die gehobene Gastronomie und Hotellerie wie gemacht: Durch die Ausstattung des Porzellans mit den elektrisch leitfähigen Böden und des Buffettisches mit versteckten Induktionselementen fällt das bisher verwendete sperrige Gerät weg.Das sieht nicht nur edler aus, sondern hat auch alle Vorteile der Induktion. Im Gegensatz zu den bislang üblichen Wasserbädern oder Gaströgen kann das Essen nun vollkommen flexibel auf den Tischen angerichtet werden. Per Fernbedienung lassen sich die Wärmeelemente einzeln regeln. Das Personal profitiert von der simplen Handhabung, noch dazu läuft alles vollkommen ohne Wärmeverluste. Wird eine Schüssel zum Nachfüllen entfernt, schaltet sich das Induktionselement automatisch ab. Verbrennen wie Timo Hafner kann sich nun auch niemand mehr.Der erfahrene Patentanwalt Wolfgang Heisel ist von Induct-Warm überzeugt: "Die flexible Anordnung des Geschirrs, noch dazu in bisher nicht vorhandener Größe, und das alles ohne sichtbare Einbauten - das ist ein nahezu fertiges Produkt, das auf den Markt kann." Das große Interesse des Hilton spräche ohnehin für sich.Heisel hat Hafner in den vergangenen Monaten dabei unterstützt, die Patentfragen zu klären und Lizenzrechte zu sichern. Noch zu Zeiten, als Hafner als Schüler für seine Idee warb, kamen sie zum ersten Mal in Kontakt. "Die Beharrlichkeit, mit der er das durchgezogen hat, ist schon gigantisch. Das findet man selten", lobt der Anwalt. Vor wenigen Wochen, auf dem Weconomy-Netzwerktreffen in Baden-Baden, überzeugte Unternehmensgründer Hafner selbst Wirtschafts-Schwergewichte wie Voith-Vorstand Hubert Lienhard und Roland-Berger-Chef Burkhard Schwenker.Der Martkeintritt ist in greifbarer NäheSeinen Jugend-Elan hat Hafner nicht verloren. Im Gegenteil: Momentan läuft die hoffentlich letzte Testphase. Bis Anfang November sollen die neuen Prototypen in den Hilton-Filialen Nürnberg und München ein weiteres Mal getestet werden, im regulären Betrieb. Wenn da alles glatt geht, will Hafner endlich den Markteintritt planen. Eine noch größere Belastung als ohnehin kommt dann auf den 20-Jährigen zu, denn vor wenigen Wochen hat Hafner neben seinem Unternehmen noch ein weiteres Projekt begonnen: ein BWL-Studium in St. Gallen. Doch er weiß wofür er das alles auf sich nimmt: "Mein Traum ist, Induct-Warm irgendwann selbst als mittelständischen Betrieb zu führen. Ein Verkauf ist für mich vollkommen ausgeschlossen."
Dieser Artikel ist erschienen am 30.10.2009

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