Karriere-Atlas 2008

München, Jena, Berlin: Die Top-Regionen in Deutschland

Sara Kammler
Der Osten holt auf
Minister Wolfgang Tiefensee über die Attraktivität der neuen Länder.
Herr Tiefensee, bei der Beschäftigung von Fach- und Führungskräften schneiden Berlin und Jena, Leipzig und Dresden gut ab. Insgesamt hinkt der Osten aber dem Westen hinterher. Warum ist der Osten so unattraktiv?
Der Osten ist sehr attraktiv. Sehr viele junge, hochqualifizierte Menschen gehen nach Dresden, Jena, Potsdam oder Leipzig, übrigens auch viele aus dem Westen. Aber ein Punkt ist unbestreitbar: Die Unterschiede bei den Gehältern in Ost- und Westdeutschland sind nach wie vor groß. Das gilt für Facharbeiter, Ingenieure und sogar für Professoren. Gerade junge und gut ausgebildete Menschen wollen dies oft nicht akzeptieren. Sie sind häufig noch ungebunden und flexibel und suchen sich einen gut bezahlten Job in Deutschland, Europa und zunehmend auch in der ganzen Welt. Denn der Arbeitsplatz wird natürlich um so attraktiver je besser er bezahlt wird. Es gibt aber Regionen in Ostdeutschland, in denen die Wirtschaft stabil ist. Dort hat sich der industrielle Sektor stark entwickelt. In Städten wie Jena gibt es zum Beispiel hervorragende Hochschulen und Forschungseinrichtungen und eine gute Infrastruktur.
Was kann man gegen die niedrigen Löhne tun? Wie kann man diesen Zug von Ost nach West stoppen?
Ich trete für eine schnelle Lohnangleichung in Ost und West ein. Entscheidend ist, dass Tarifpartner, Unternehmen und Hochschulen Hand in Hand zusammenarbeiten. Wenn sie dies konsequent tun, dann werden Ost-West-Gefälle und Fachkräftemangel in bestimmten Branchen bald der Vergangenheit angehören.
Auch in punkto Lebensqualität hinken die Regionen in Ostdeutschland, abgesehen von Städten wie Dresden, Leipzig und Jena, noch hinterher...
Da widerspreche ich als ehemaliger Bürgermeister von Leipzig energisch. In einigen Bereichen ist die Lebensqualität im Osten sogar höher als im Westen. Die Innenstädte sind aufwändig saniert, und die Schulen renoviert. Im Osten ist zudem die Zahl der Kindertagesstätten höher als im Westen. Das ist für hochqualifizierte Facharbeiterinnen und Akademikerinnen von entscheidender Bedeutung. Hier waren die Grundlagen aus der Vergangenheit gut, und die haben wir weiter ausgebaut.
Ist es sinnvoll, wenn Regionen Cluster bilden und sich auf einige wenige Branchen spezialisieren?
Ein einzelner Bürgermeister oder ein Landrat kann vom grünen Tisch aus keine Wirtschaft planen. Es geht darum, Entwicklungspotenziale zu stärken. Wichtig ist, dass dabei keine Monokulturen herangezogen werden, sondern ein breiter Mix unterschiedlicher Branchen, die sich möglichst gegenseitig befruchten. Es ist ein ganz entscheidender Vorteil im Osten, dass sich gut funktionierende Netzwerke zwischen Wirtschaft, Forschung und Hochschule herausgebildet haben.
Wann ist eine Stadt für Sie attraktiv?
Wenn sie mir einen sicheren und gut bezahlten Arbeitsplatz, gute Kitas und Schulen für meine Kinder und ein intaktes Wohnumfeld bietet. Die Stadt sollte ein lebendiges, vielfältiges Kulturangebot besitzen, die Infrastruktur gut ausgebaut sein. Außerdem ein Umland mit viel Grün und schöner Natur. Ich hätte gern die Ostsee oder den Thüringer Wald in meiner Nähe. Das Wichtigste aber ist ein gutes soziales Umfeld. Ich lebe gerne in einer Stadt, mit aufgeschlossenen und freundlichen Menschen. Und ich gebe zu, ich bin ein typischer Städter.
Die einzelnen Regionen im Überblick:Jena
Stuttgart
Berlin
Hamburg
Frankfurt
München
Rheinland
Mannheim
Dieser Artikel ist erschienen am 21.10.2008

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