Karriere-Atlas 2008

München, Jena, Berlin: Die Top-Regionen in Deutschland

Sara Kammler
Der Karriere-Atlas zeigt, dass es noch immer ein Ost-West-Gefälle gibt. Von blühenden Landschaften keine Rede: Mit Berlin, Jena, Potsdam, Leipzig und Dresden sind nur fünf Regionen aus Ostdeutschland unter den Top 28 von 150 Regionen, die Fach- und Führungskräften gute Bedingungen bieten. Dem Osten droht ein umfassendes Führungs- und Nachfolgeproblem: Die Beschäftigungsentwicklung der Lenker von 2002 bis 2007 ist stark rückläufig. Lediglich Berlin und Jena bieten optimale Lebensbedingungen. „Die Löhne sind im Vergleich zum Westen zu gering“, erklärt Kaiser. Deswegen sei es so schwer, Hochqualifizierte in den Osten des Landes zu locken. Für den Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee, der zugleich Beauftragter der Bundesregierung für die Neuen Bundesländer ist, ein Unding. „Ich trete für eine schnelle Lohnangleichung ein,“ sagt Tiefensee.In puncto Arbeitslosenquote der Hochqualifizierten schneiden die 39 Regionen in Ostdeutschland mit Ausnahme von Jena schlecht ab. Sie liegen im unteren Drittel der 150 Regionen. In Görlitz etwa ist jeder 14. Denker und Lenker arbeitslos. In Stuttgart nur jeder 100. Ein weiterer Grund: Mit Ausnahme von Berlin, Potsdam, Dresden und Leipzig stehen die Regionen bei weichen Faktoren wie Internationalität und Lebensqualität schlecht da. Auch ist in den ostdeutschen Bundesländern die Gesamtzahl an Hochqualifizierten und Lenkern insgesamt geringer und Ausschläge, egal ob positiv oder negativ, wirken sich entsprechend stärker aus.Gute Aufstiegs- und EntwicklungschancenAttraktiv für Denker und Lenker sind die Regionen, in denen große Unternehmen zuhause sind. „Fach- und Führungskräfte legen heute zunehmend Wert auf ein positives Image ihres Arbeitgebers. Sie arbeiten gern bei Betrieben mit großen und geschätzten Produktmarken oder bei Unternehmen, die sich gesellschaftlich engagieren“, sagt Ludwig Georg Braun, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Zudem bieten große Konzerne mit internationaler Ausrichtung und Niederlassungen im Ausland gute Aufstiegs- und Entwicklungschancen, ein breites Produktportfolio sowie Forschungs- und Entwicklungsabteilungen. Regelmäßig landen Porsche, Daimler und Deutsche Bank ganz oben in Rankings der attraktivsten Arbeitgeber. Für die Regionen bedeutet dies: Je mehr umsatzstarke Unternehmen sie vorzuweisen haben, desto interessanter sind sie für Denker und Lenker.
[/IP0]Prognos bewertete die Regionen deshalb auch nach den Standorten der 500 umsatzstärksten Unternehmen des Landes. Bei diesem Indikator punkten München mit Siemens, BMW, Münchener Rück und Allianz; Stuttgart mit Daimler, Bosch und IBM; Frankfurt am Main mit Deutscher Bank, Nestlé sowie Sanofi-Aventis; Köln/Bonn mit Deutsche Post, Rewe und Telekom sowie Hamburg mit Beiersdorf und Otto. In den besten 25 Regionen werden 44 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet. Und die sieben Top-Regionen binden 33 Prozent der Denker und Lenker an ihre Standorte. Dabei arbeiten nur 23 Prozent aller Beschäftigten in diesen Regionen.
Ein wichtiger Standortfaktor - vor allem für die junge Generation - ist die Internationalität, da sich kulturelle Vielfalt positiv auf die Innovationsfähigkeit und damit auf die wirtschaftliche Entwicklung einer Region auswirkt. Konkret: Je höher der Anteil an hochqualifizierten Migranten in einer Region, desto größer ihre Innovationskraft. Bei diesem Kriterium überzeugen die Regionen Frankfurt am Main, München, Stuttgart, Düsseldorf und Hamburg sowie Berlin.
Ein weiterer Indikator für die Attraktivität einer Region ist die Kaufkraft. Sie spiegelt das verfügbare Einkommen in der Region wieder und damit die Attraktivität des jeweiligen Standortes. Die Münchner haben mit 23<TH>439 Euro pro Kopf (bundesweiter Durchschnitt: 18055 Euro) das meiste Geld in der Tasche. Es folgen die Stuttgarter (21.092 Euro), die Frankfurter (20.942 Euro), Wiesbadener (20.901 Euro) und die Düsseldorfer (20.765 Euro). Die Städte im Osten können da nicht mithalten.
Die Lebensqualität wird zunehmend wichtigerNeben Geld und Karrierechancen wird für die Denker und Lenker die Lebensqualität, die eine Region bietet, zunehmend wichtiger. Laut DIHK-Präsident Braun sind die Städte attraktiv, die unter anderem ein vielfältiges kulturelles Angebot an Ausstellungen oder Theatervorführungen aufweisen können. Im Karriere-Atlas von Handelsblatt Junge Karriere zählen Künstler, Designer und Schriftsteller als Garant für ein tolerantes Umfeld, das Denker und Lenker anzieht. In diesem Punkt liegt Berlin mit seiner bunten Kunst- und Kreativszene klar vorne.Der Karriere-Atlas weist auch in die Zukunft. Anhand der demografischen Entwicklung hat Prognos die Chancen und Risiken für Denker und Lenker bis zum Jahr 2017 analysiert. Ist der Anteil der über 55-jährigen Denker und Lenker in einer Region groß, ist dies grundsätzlich positiv, da dort potenziell Jobs frei werden. Voraussetzung ist aber, dass junge Denker und Lenker nachrücken können. Ist dies nicht möglich, besteht die Gefahr, dass diese Regionen verwaisen. In Ostdeutschland ist die Vakanzquote vergleichsweise hoch. „Hier bieten sich kurzfristig Beschäftigungsmöglichkeiten“, sagt Kaiser. Die Wahlfreiheit hat aber ihren Preis: die Gehälter sind niedriger als im Westen.

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