Kunstbranche

Mit Kunst Geld verdienen

Sonja Pohlmann, Johannes Gernert
Julia Rosenbaum, 30, leitet das Ausstellungshaus Deutsche GuggenheimDas Aus für ihre eigene Künstlerkarriere kam früh. Als Jugendliche hatte Julia Rosenbaum Skizzen und Skulpturen aus Ton angefertigt - bis sie sich kurz vor dem Abitur mit Kunstgeschichte befasste. "Das faszinierte mich viel mehr", sagt sie. Kreativ ist sie heute immer noch, aber statt selbst zu malen, organisiert sie inzwischen Ausstellungen anderer Künstler. Rosenbaum ist Gallery Manager, sie leitet das Deutsche Guggenheim in Berlin-Mitte, an dem auch die Deutsche Bank beteiligt ist.Ausschlaggebend für ihre Besetzung: Sie kennt die Kunstsammlung der Bank seit ihrem Praktikum in der Frankfurter Zentrale vor fünf Jahren. Damals studierte sie Kunstgeschichte, Archäologie und Erziehungswissenschaft. Zuletzt koordinierte sie für die aktuelle Schau "Picturing America", die Werke des Fotorealismus zeigt, den Transport der Bilder aus den USA nach Berlin und organisierte den Aufbau und die Eröffnungsfeier. "Ein echter Traumjob" sei das, schwärmt Rosenbaum. Anfangs bereitete ihr die neue Verantwortung zwar schlaflose Nächte. "Mittlerweile bin ich aber viel gelassener."Christian Lethert, 27, hat in Köln seine eigene Galerie gegründetFür zwei Stunden Vernissage nach New York fliegen - ein solcher Kurztrip gehört für Christian Lethert zum Geschäft. Zumindest wenn es um die Ausstellung des Malers und Bildhauers Imi Knoebel geht, dessen Bilder Lethert in seiner Galerie verkauft. Es ist die Verbindung des Angenehmen mit dem Nützlichen. "Als Galerist kann ich meine Leidenschaft für Kunst und mein ökonomisches Know-how perfekt verbinden", sagt er.An der FH Bonn-Rhein-Sieg studierte er BWL, seine Diplomarbeit schrieb er über die "Existenzgründung im Kunstmarkt". Wie der Kunsthandel funktioniert, hat Lethert früh gelernt. Auf der Suche nach einem Nebenjob landete er als 16-Jähriger in der Galerie von Erhard Klein in seiner Heimat Bad Münstereifel. Später wurde er dessen Assistent. Seit 2006 ist Lethert selbstständig. Manchmal verkauft er wochenlang kein einziges Bild, dann wieder kurz hintereinander mehrere Werke im oberen fünfstelligen Bereich. Und davon lässt sich leben. Üblich ist, dass der Galerist zwischen 30 und 50 Prozent der Einnahmen behält.Iris Handke, 31, ist Sachverständige beim Kunstversicherer Axa ArtDass Iris Handke nicht Rechtsanwältin werden wollte, war ihr schon in den ersten Semestern ihres Jura-Studiums klar. Malerei hat sie dagegen, dank ihrer kunstinteressierten Mutter, schon immer fasziniert. Warum das Hobby also nicht zum Beruf machen? So begann die Münchenerin nach dem ersten Staatsexamen, Kunstgeschichte zu studieren. Das analytische Denken der Juristin und das Fachwissen der Kunsthistorikerin verbindet sie heute bei ihrem Job bei Axa Art, einem der weltweit größten Kunstversicherer.Sie ist Sachverständige und beurteilt, wie viel ein Gemälde wert ist und welche Versicherungssumme angesetzt werden muss. Dafür brütet sie über Paragrafen und Versicherungsbedingungen, durchforstet Datenbanken und sichtet Auktionsergebnisse. Manchmal, wenn sie in ihrer Freizeit durch die Münchener Pinakothek geht, zuckt sie zusammen, sobald sich ein Besucher einem Bild zu sehr nähert. Sie hat Angst, er könnte das Gemälde beschädigen. "In solchen Momenten denke ich, dass ich vielleicht langsam berufskrank werde", sagt sie und lacht.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.04.2009

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