Interview mit Andreas von Bechtolsheim

"Mich interessiert nur meine Arbeit"

Helmut Werb
Investoren haben im Moment kein so gutes Image. Zusammen mit den Bankern werden sie wegen ihrer Renditegier für die Krise verantwortlich gemacht. Zu Recht?
Das ist eine populistische Anschauungsweise. Wenn man etwas Abstand nimmt, erkennt man, dass alle in den USA ganz einfach über ihre Verhältnisse gelebt haben. Das hat mit den leicht erhältlichen Krediten zu tun, die die Konsumenten dazu verführt haben, Geld auszugeben, das sie in Wirklichkeit gar nicht hatten. Aber wer nur die Banker dafür verantwortlich macht, hat etwas nicht verstanden. Die Nachfrage kam von den Konsumenten, die immer mehr Geld haben wollten und auf eine Preisspirale im Immobilienmarkt setzten, bis die Blase platzte.
Sie stehen auch nach der Krise noch auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt ...
Um Himmels willen, ich habe die schon so oft gebeten, mich von dieser Liste zu nehmen. Ständig bekomme ich Briefe von irgendwelchen Leuten.
Keine Sorge, ich will Sie nicht um Geld bitten. Ich will nur wissen, ob Sie trotz des Reichtums auf dem Boden geblieben sind?
All das Geld hat nichts mit mir zu tun, wer ich bin oder was ich gerne mache. Philosophisch betrachtet ist Reichtum nur eine Zahl auf dem Bankkonto, mehr nicht. Es hat nicht die geringsten Auswirkungen, auf das, was ich tue. Ich habe meinen Lebensstil in den letzten zehn, 20 Jahren nicht geändert.
Laufen Sie deswegen immer in Jeans und Sandalen herum, um Ihre Bescheidenheit zu untermauern? 
Nein, ich finde das ganz einfach bequem. Ich habe auch einen Anzug, den ich anziehe, wenn asiatische Kunden kommen, weil die Wert darauf legen. Ich fahre auch einen Porsche, aber einen ganz alten ohne jede Elektronik. Mein Ruf war mir aber schon immer egal. Mich interessiert nur meine Arbeit. Ich mache das nicht, weil ich Geld nötig hätte. Die Arbeit hält mich geistig fit. Ich setze mir gerne Ziele, und löse gerne Probleme, die noch keiner vor mir gelöst hat. Auf mich trifft der Spruch zu: "The best meaning of life is a life of meaning." Ich freue mich jeden Morgen über mein Leben, und das hat sich nicht geändert, nur weil mein Bankkonto größer geworden ist.
Andreas von BechtolsheimDer 1955 in Bayern geborene Bechtolsheim wuchs auf einem Bauernhof am Ammersee auf. Mit 16 machte er Abitur in Lindau am Bodensee. Nach dem Informatikstudium in München und Pittsburgh wechselte er 1977 als Promotionsstudent nach Stanford. 1982 brach er seine Promotion ab und gründete mit drei Kommilitonen den Computer- und Serverhersteller Sun Microsystems.1995 verließ er Sun und gründete das Start-up Granite, das er später für 220Millionen Dollar an Cisco verkaufte. Kaelia, eine weitere Bechtolsheim-Gründung wurde 2004 von Sun gekauft. Seine neueste Firma Arista Networks baut Netzwerkschalter fürs Hochgeschwindigkeitsinternet. Als erster Google-Investor gehört Bechtolsheim zu den erfolgreichsten Venture Capitalists im Silicon Valley. Sein Vermögen wird auf zwei Milliarden Dollar geschätzt.
Dieser Artikel ist erschienen am 02.10.2009

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