Gleichberechtigung

Mehr Frauen an der Spitze

Tina Groll / Zeit.de
Allerdings gibt es auch Ausnahmen: Frauke Vogler, Aufsichtsrätin beim Unternehmen Q-Cells SE, ist eine. Sie bekam ihren Job durch ein sogenanntes Old-Boys-Netzwerk, zu dem sie sich Zugang verschafft hatte. "Viele Frauen kommen aber gar nicht erst rein in diese Netzwerke", sagt sie. Meist seien die Vergabeverfahren wenig transparent. Die Jobs würden nicht in der Zeitung ausgeschrieben, sondern unter einem Zirkel Ausgewählter vergeben.Zumeist bedürfe es eines Mentors, der dem Nachwuchs helfe. "Warum nicht Aufsichtsratsposten ausschreiben und das Personal mit Headhuntern suchen?", schlägt Vogler vor. Immerhin müssten die einzelnen Aufsichtsratsmitglieder unternehmensspezifische Anforderungen erfüllen. Gefragt sei eine Vielfalt der Profile, keine Einheit von Expertise, Alter oder Geschlecht.Dass diese Vielfalt – Diversity – den Unternehmen nutzt, hat die Regierungskommission zum Corporate Governance Kodex längst schriftlich fixiert. FidAR drängt schon lange auf eine Verschärfung des Wortlauts, der derzeit nicht ausdrücklich von Frauen spricht, sondern nur eine allgemeine Diversity-Empfehlung für die Besetzung der Aufsichtsräte gibt. Jetzt möchte die Kommission den Kodex mit dem Ziel konkretisieren, den Anteil von Frauen und internationalen Vertretern nachhaltig zu erhöhen.Die Quote spaltet die GeisterEs wäre ein Schritt, der weiteren Druck aufbaut. Die Widerstände sind groß. Eine gesetzlich festgeschriebene Frauenquote, befürchten die Gegner, sei nicht nur ein massives, politisches Eingreifen in die Wirtschaft, die Maßnahme könnte auch dazu führen, dass talentierte junge Männer nicht mehr zum Zuge kommen und stattdessen mittelmäßige Frauen auf Posten gehievt werden, denen sie nicht gewachsen sind. Die vermeintliche Unvereinbarkeit von Aufsichtsratsposten und Familie ist ein weiteres Argument gegen mehr Frauen, sagen Kritiker.Die Telekom sieht Aufsichtsratposten und Familie nicht als unvereinbar an. Die Einführung der Frauenquote wird mit einem Bündel weiterer Maßnahmen flankiert: Die Anzahl der konzerneigenen Kindergärtenplätze wird um ein Vielfaches erhöht, Führungspositionen werden als Teilzeitjobs angelegt, die sich Männer und Frauen teilen sollen und Mitarbeiter werden für die Elternzeit motiviert."Das alles ist ein sehr großer Schritt", sagt Thomas Sattelberger. Gefragt danach, warum man bei diesen weitreichenden Plänen dann nicht gleich die 50-Prozent-Marke anpeilt, lacht der Personalvorstand und sagt: "Das wäre nicht realistisch. Aber wenn wir das schaffen, was wir uns vorgenommen haben, wäre eine kritische Masse erreicht. Der Rest schiebt sich hoffentlich von alleine an."Ob das stimmt, bleibt fraglich. Immer wieder stellen Studien zur Feminisierung von Branchen fest, dass bei einem Frauenanteil von 30 Prozent eine Art Sättigungsprozess einsetzt. Spätestens dann wird die Quote notwendig. Und auch, damit sich die Frauenförderung eben nicht als Alibimaßnahmen im Sinne einer positiven Unternehmenskommunikation einiger, weniger DAX-Konzerne entpuppt.(Zuerst erschienen auf ZEIT ONLINE)
Dieser Artikel ist erschienen am 15.03.2010

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