Berufsbild

Medien - die Traumfabrik im Porträt

Peter Nederstigt, mar, mse
Mehr Freiheit in Übersee: AuslandskorrespondenzFoto: © Xavier Marchant - Fotolia.de
US-Korrespondent bei RTL
Ein bisschen Mut muss sein. Kurz nach dem Fall der Mauer arbeitete Ulrich Oppold als TV-Redakteur für RTL in Berlin. "Als mein Chef ging, habe ich Dieter Lesche, den damaligen RTL-Chefredakteur, gefragt, ob ich den Job machen darf." Lesche soll erst gelacht haben, doch ihm gefiel wohl Oppolds forsche Art und er machte den 31-Jährigen zum Studioleiter. Fünf Jahre blieb Oppold in Berlin, danach sieben als stellvertretender Redaktionsleiter und CvD von RTL-Aktuell in Köln. Heute ist er Chef des RTL-Büros in New York - ein Studio mit zwei weiteren fest angestellten Korrespondenten und drei Producern. "Das hier in der 57th Street ist mein Traumjob", schwärmt Oppold. Allein in New York gebe es so viel Geschichten zu erzählen, "ein Story-Paradies". 30 Prozent seiner Zeit ist er in den USA unterwegs - ob in Washington bei George W. Bushs Amtseinführung, in Santa Maria (Kalifornien) beim Michael-Jackson- Prozess oder in Huntsville (Texas) bei einem zum Tode verurteilten Deutschen. Eine Faustregel, TV-Korrespondent zu werden, kennt Oppold nicht. Aber Qualifikationen: sehr gutes journalistisches Handwerk, Berufserfahrung und Gespür für die Story. Und man sollte die Kollegen in der Kölner Zentrale kennen. "Irgendwann hatte mich Hans Mahr gefragt, ob ich in die USA will. Klar, dass ich da ja sage." mseName: Ulrich Oppold, Alter: 43, Gelernt: Tonmeister, RTL-Volontariat.ZeitungsdesignerAm Anfang roch beruflich alles nach Katastrophe. Sein Studium der visuellen Mediengestaltung an der Wiener Hochschule für angewandte Kunst brach Lukas Kircher ab. "Ich hatte keine Lust mehr und wollte in die Praxis", sagt er. Kircher startete als Infografiker bei der "Kleinen Zeitung". Danach ging s bergauf: Art Director bei "Die Presse" - erst in Wien, dann mit 26 Jahren bei der Berliner Zeitung in Deutschland, wo er den kompletten Relaunch stemmte. Auf den Erfolg folgten höhere Weihen. Gruner + Jahr machte Kircher zum Leiter der Entwicklungsgrafik und Leiter der Grafik beim Stern in Hamburg. "Das war eine wichtige Zeit, in der ich viele nützliche Kontakte knüpfte." Doch nach einer Weile trieb ihn nur noch ein Gedanke um: "Entweder bleibe ich bei einer großen Firma und fliege spätestens mit 55 Jahren raus, ohne vorher mal etwas anderes gewagt zu haben. Oder ich mache mich jetzt sofort selbstständig." Gedacht, getan. Im Jahr 2000 gründete der Klagenfurter die Agentur Kircher Burghardt in Berlin - der wichtigste Schritt seines damals knapp 30-jährigen Lebens. Der Lohn: Mit seinen Entwürfen (unter anderen für Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Welt am Sonntag, Tagesspiegel) avancierte er zum Shootingstar unter den Zeitungsdesignern. "Es war für uns schon aufregend, ins kalte Wasser zu springen. Aber das Risiko, frustriert alt zu werden, war größer, als mit der Agentur zu scheitern."30 Prozent seiner Arbeit verbringt Kircher heute mit Design-Ideen, 70 Prozent mit Change Management: "Bis man Verlage und Redaktionen überzeugt hat, Dinge anders zu machen, zum Beispiel am Layout zu feilen, Grafik und Bild endlich mehr Bedeutung zu schenken, können Monate vergehen." Kirchers Ziel ist die ästhetisch-funktionelle Abstimmung von Grafik und Text. "Zeitungen müssen viel visueller werden. Und darum sollten alle, die im Print anfangen, eine übergreifende Ausbildung bekommen, also neben Journalismus auch Design lernen", findet Kircher. Editorial Designer (Zeitungsdesigner) wie ihn gebe es viel zu wenig. "Das ist schade. Denn es ist ein faszinierender Beruf, kreativ, informativ, nah am Menschen. Und wenn man Glück hat, kann man damit auch noch so viel Geld verdienen, dass man ein Unternehmen aufbauen kann. Was will man mehr?" mseName: Lukas Kircher, Alter: 33, Gelernt: Studium Mediengestaltung (abgebrochen), Infografiker.Bildredakteur bei GeoEine Kamera nimmt Markus Seewald trotz abgeschlossenem Fotografie-Studium nur noch selten in die Hand. Der Bildredakteur beim Magazin Geo kümmert sich um die Fotos anderer Fotografen: Er vergibt Aufträge an Freelancer, klärt die Urheberrechte, besorgt die Druckvorlagen. In juristische Fragen wie Bild- und Persönlichkeitsrechte hat er sich on the job eingefuchst, ebenso wie in die Psychologie: "Manchmal bin ich auch Seelsorger, wenn den Fotografen unterwegs das Auto versagt oder Termine platzen", erzählt Seewald. Doch vor allem ist Kreativität gefragt: Zusammen mit den Textredakteuren sucht er nach der passenden Bildsprache in den Geo-Artikeln. Spannend wird es, wenn abstrakte Themen zu bebildern sind - Seele, Geist oder Moral. Fündig wird Seewald bei Fotoagenturen, auf den Websites von Fotografen oder sonst wo im Internet. Auch wenn er heute nicht mehr fotografiert, sein Studium kann Seewald mehr als gut gebrauchen. Er kann bei den Fotografen mitreden, weiß, was technisch möglich ist und wie Bilder wirken. "Mir gefällt die Vielfalt. Ich suche am selben Tag nach Schneeflockenmotiven und nach erotischen Bildern zum Thema Sünde." Wo kann man das sonst schon? mar.Name: Markus Seewald, Alter: 37, Gelernt: Fotograf

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