Berufsbild

Medien - die Traumfabrik im Porträt

Peter Nederstigt, mar, mse
Immer Online - Fernsehen und Print setzten auf WebpräsenzFoto: © Franz Pfluegl - Fotolia.de
Trend 5: Beute im Netz 
Eigentlich könnten sich die Content-Anbieter im Internet glücklich schätzen, denn die Wirtschaft entdeckt das Web als Werbeträger. Spiegel-Online hat im ersten Quartal 2004 nach eigenen Angaben ein Plus von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr erwirtschaftet, doch immer noch sind die Einnahmen zu niedrig, um Gewinne zu machen. 2003 betrug der Anteil der Online-Werbung an den gesamten Netto-Werbeeinnahmen erst zwei Prozent. Und kostenpflichtige Angebote werden wohl noch lange eine Nebenrolle spielen. Schon vor Jahren haben viele Verlage deshalb ihre mit großem Enthusiasmus gestarteten Internet-Redaktionen ausgedünnt, Lehrgänge für Online-Journalisten wurden geschlossen.Doch die Zeit arbeitet für das junge Medium. Technikfreaks wie Erik Pothast aus der Produktion der Netzeitung kreieren neue Formate, um Werbekunden das neue Medium schmackhaft zu machen. Mit den Breitbandanschlüssen steigen zudem die technischen Möglichkeiten. Redakteure wie Yassin Musharbash von Spiegel-Online sind dabei, das Internet als eigenständige Medienform mit Animationen und Videos zu etablieren. Gewinner dürften wie im digitalen Fernsehen bekannte Marken sein, die den Nutzern Orientierung im Meer der Informationen bieten."Letztlich wird sich auch dort Qualität und Seriosität auszahlen", schreibt die Zentralstelle für Arbeitsvermittlung über den Arbeitsmarkt für Journalisten. In jedem Fall seien hierfür sowohl hochbegabte Generalisten wie auch brillante Fachjournalisten "in großer Zahl" erforderlich. Insofern, schließt die Arbeitsagentur, "ist ein optimistischer Ausblick auf die Zukunft unbedingt erlaubt". Peter Nederstigt.Moderatorin bei MTVNach dem Abi in Berlin wollte Anastasia Zamponis einfach weg. "Ich hatte überhaupt keine Ahnung, was ich beruflich werden könnte. Ich wollte nur eins: abhauen", sagt die heute 32-jährige MTV-Moderatorin. Sie ging nach Los Angeles - viel Geld konnten ihr die Eltern ("Mutter Hausfrau, Vater Arbeiter") nicht mitgeben. So jobbte sie - als Lehrerin für Deutsch und Französisch, als Au-Pair und als Gogo-Girl: "Das war ganz unschuldig: einmal pro Woche tanzen im Schulmädchen-Outfit. Ohne Ausziehen. Und das Ganze an einem Abend, an dem nur Lesben reingelassen wurden." Knapp zwei Jahre blieb sie in den USA, baute ihren Anti-Amerikanismus ab, stärkte ihr Selbstbewusstsein und reanimierte ihr Faible fürs Musikgeschäft. "Ich begann, mich für Plattenlabel zu interessieren, und spielte mit dem Gedanken, Artist-&-Repertoire-Manager zu werden": jemand, der Musiker in Bars und Clubs entdeckt. Dass sie als MTV-Moderatorin einmal zu den jungen Stars der deutschen Medienbranche gehören würde, hätte sie nie gedacht. Und schon gar nicht geplant. "Die Dinge kamen einfach. Ich hatte einfach wahnsinnig viel Glück."Nach L.A. fing sie in Berlin ein Studium der Kommunikationswissenschaften an. Und brach es nach dem Grundstudium ab. "Das war nichts für mich." Finanziell lief der Laden für sie auch bereits: Nachts legte sie als Djane in Berliner Underground-Clubs auf, tagsüber moderierte sie beim Radio: erst bei Kiss FM Berlin, wo sie ein Volontariat absolvierte, dann bei Radio-Energy. Dort bekam sie als Krazy Dazy ihre erste Personality-Show. Drei Jahre dauerte es, bis MTV auf sie aufmerksam wurde. Für den Musikkanal moderiert sie heute täglich TRL (Total Request Live), in der sie Most Wanted Clips vorstellt und Interviews mit Popstars wie Lenny Kravitz, Nena, Silbermond oder Sarah Connor führt. Als feste Freie (außertarifliche Bezahlung) hat sie angenehme Arbeitszeiten: Um elf Uhr herum geht es ins Büro, dann folgen Redaktionskonferenz, Interview- und Sendevorbereitung, Maske, Sendung, Nachbesprechung und Vorbesprechung für den nächsten Tag. Dann ist Feierabend. Manchmal wird nachts oder am Wochenende gedreht."Bei MTV kommt es nicht darauf an, nur hübsch zu sein und fehlerfrei den Teleprompter runterzulesen", meint Anastasia. MTV sucht Persönlichkeiten - eben solche wie die junge Deutsch-Griechin: "Meine L.A.-Erfahrung war das Beste, was mir passieren konnte. Ich bin dadurch schon in jungen Jahren reifer geworden und konnte besser erkennen, was mir beruflich liegt. Außerdem hat mein Englisch davon profitiert. Ohne das geht s in meinem Job überhaupt nicht." mseName: Anastasia Zamponis, Alter: 32, Gelernt: Studium der Kommunikationswissenschaft (abgebrochen), Radio-Volontariat.Justiziarin beim Kölner ExpressKritische Artikel und prozessierende Promis sind Fälle für Susanna Dahs. Die Justiziarin hilft den Redakteuren der Kölner Boulevard-Zeitung Express, rechtliche Probleme bei ihrer Arbeit zu umschiffen oder durchzustehen. "Gerade die Geschichten einer Boulevard-Zeitung müssen wasserdicht sein", erklärt die Juristin. Sie sagt den Journalisten, was sie brauchen, um eine Geschichte vor Gericht verteidigen zu können: Zeugen, Beweise, eidesstattliche Versicherungen. Vor Redaktionsschluss liest sie die Texte, schlägt Formulierungstricks vor und legt auch mal ihr Veto ein. Verlangt doch jemand einen Widerruf oder Schadenersatz, dann kümmert sich Dahs um die rechtlichen Schritte. Was man für den Job braucht: Ein Jura-Studium, starke Nerven wenn Redaktionsschluss oder die anwaltliche Frist drängen - und ein Händchen für feinfühlige Kritik am Text. mar.Name: Susanna Dahls, Alter: 37, Gelernt: Juristin.

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