Weiterbildung

Master of Arzt

Carola Sonnet
Die HHL ist eine von wenigen Anbietern echter MBA-Programme in Deutschland. Mannheim Business School, Goethe Business School, Gisma, WHU und die ESMT vergeben weitere renommierte Abschlüsse in Deutschland. Die Frankfurt School of Finance bietet einen MBA an, der auf das Gesundheitswesen zugeschnitten ist, die europäischen MBA-Guidelines erfüllt und dafür auch das Epas-Gütesiegel erhalten hat.Um diese europäischen Richtlinien zu erfüllen, muss ein Programm zum Beispiel Kurse in Accounting, Finanzierung, Marketing und Vertrieb, Operations Management, Information Systems Management, Recht und HR-Management beinhalten. Headhunter Weidl empfiehlt eindeutig den generalistischen MBA, wenn ein Arzt sich entscheiden muss, womit er sich besser auf spätere Führungspositionen vorbereitet: "Man braucht in einem Haus von Spezialisten keinen Oberspezialisten", sagt Weidl. Aus seiner Sicht ist vielmehr die "Helikopter-Perspektive" entscheidend, die Fähigkeit, sich an Best-Practice-Beispielen aus anderen Branchen für Probleme im eigenen Bereich zu orientieren.Zwiespalt zwischen Ökonomie und Gesundheit überwindenDas war auch für Elsner bei der Auswahl entscheidend. Für ihn war zwar klar, dass er in der Gesundheitsbranche bleiben würde, aber er wollte nicht nur mit anderen Ärzten studieren. In seiner MBA-Klasse saß auch der Marketingchef von Hugo Boss, insgesamt studierte er mit 19 Teilnehmern: "Ein buntes Spektrum an Denkansätzen und Industrien", hebt Elsner hervor.Das hilft ihm, Strukturen zu verstehen. "Ich habe gelernt, auf der Metaebene zu denken", sagt Elsner. "Als Mediziner im klinischen Alltag steht man oft im Risiko, sich in Details zu verlieren". Er dagegen weiß jetzt, an welchen Stellschrauben er drehen kann und wie er strukturierte Pläne entwerfen muss. "Die meisten Verbesserungsideen sind in Krankenhäusern schon vorhanden, allein die Umsetzung schafft kaum jemand", offenbart der Klinikleiter. Er habe mehr Glaubwürdigkeit gegenüber den Kollegen als jemand, der nur BWL studiert habe. "Dabei hilft es, dass ich weiß, wie sich 17 Schichtdienste im Monat anfühlen", sagt Elsner.Anders als Elsner hat sich der Herzchirurg Tobias Hermann für einen Master of Arts und gegen den MBA entschieden. Nach seinem Abschluss an der Fernhochschule Riedlingen fing er bei der Beratung des Gesundheitsökonomen Peter Oberender an, die sich auf medizinische Themen spezialisiert hat. Und Hermann bestätigt, dass die Gesundheitsbranche eine strukturelle Veränderung durchlebt: "Es gilt, den größer werdenden Zwiespalt zwischen Ökonomie und Gesundheit zu überbrücken", analysiert er. "Wenn man in dem System vorankommen will, muss man beides können."Den Konflikt zwischen Medizinern und Ökonomen bringt Hermann auf den Punkt: "Einen Patienten kann man nicht optimieren wie ein grünes Auto. Auch wenn das für viele einfacher wäre." Die Verbindung der medizinischen Machbarkeit mit der ökonomischen Finanzierbarkeit ist die Herausforderung, der sich alle Ärzte stellen müssen. Nicht viele verstehen aber die Zusammenhänge. Dass Leute wie er dringend gebraucht werden, zeigte sich unmittelbar nach dem Abschluss: "Ich hatte mehr Angebote, als auf die E-Mail-Platte passen." Seiner Einschätzung nach wird die Nachfrage nach Doppelabschlüssen noch steigen: "Der Markt ist schon da", sagt Hermann.Lesen Sie weitere Texte zu den Themen Weiterbildung und Medizin:MBA: Wie schafft man es an die Top-Schule?Hirschhausen: "Ich halte Menschen gesund"
Dieser Artikel ist erschienen am 29.03.2010

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