Trends

Manager mit Mission

Claudia Obmann
Den größten Aufwand, um Mitarbeiter mit echter sozialer Ader aufzuspüren und zu fördern, betreibt IBM. Der Computerkonzern durchleuchtet inzwischen zum dritten Mal in einem mehrstufigen Bewerbungsverfahren weltweit rund 5000 Kandidaten, die als Voraussetzung auch privat großen sozialen Einsatz beweisen. Von ihnen werden schließlich 400 Freiwillige auf Firmenkosten entsendet, um weltweit Gesundheits-, Sozial- und Hilfsprojekte mit IT-Bezug zu realisieren. Die handverlesenen Experten werden für je vier Wochen aus ihrem Job rausgelöst.Zu ihnen gehört Yvonne Balzer. Die gelernte Feinmechanikerin und studierte Wirtschaftsinformatikerin aus Leipzig verantwortet in ihrem Hauptjob die Beratung deutscher Hochschulen in Sachen IT-Ausstattung. Ihre Urlaubszeit stellt sie Entwicklungsorganisationen zur Verfügung, um zum Beispiel nach einer Naturkatastrophe Aufbauarbeit zu leisten.Nigerianische Retter vernetzenIBM schickte die 37-Jährige nach Nigeria, um in dem afrikanischen Land dafür zu sorgen, dass Ministerien, Bürgerinstitutionen und Rettungskräfte miteinander sicher vernetzt werden. Was das im Ernstfall bedeutete, erlebte Balzer gleich hautnah: Als einer der Kollegen bei 40 Grad im Schatten in Ohnmacht fiel, war ihr Team auf sich allein gestellt, das nächste Krankenhaus meilenweit entfernt. "Zwei Stunden lang versuchten wir per Handy, einen Arzt anzufordern - vergebens", erzählt Balzer.Ihr Afrika-Einsatz erwies sich als große Übung in Geduld und interkultureller Kompetenz. Balzer: "Nach unserer Abschlusspräsentation vor der Landesregierung lud uns der Gouverneur in seinen Palast zum Essen ein. Der Etikette entsprechend hätte ich ihn gar nicht direkt ansprechen dürfen, aber weil ich neben ihm saß, habe ich ihm höflich, wie ich dachte, ein Gericht angeboten. Wegen dieses Protokoll-Verstoßes blickten wir plötzlich in erschrockene Gesichter. Glücklicherweise bewies Seine Exzellenz aber Sinn für Humor, er hat sich über meinen Fauxpas amüsiert und mein Team eingeladen, wiederzukommen und weiter beim Aufbau der Infrastruktur mitzuhelfen."Eine Managerin mit Mission - die sich nicht zuletzt auch für den Arbeitgeber auszahlt.WEITERE INFO ZUM ARTIKEL: FREIWILLIGER AUSLANDSEINSATZ
Den Mitarbeitern von Firmen mit sozialer Ader sind verschiedene Organisationen dabei behilflich, für einige Zeit als ehrenamtliche Helfer ins Ausland zu gehen. Sie vermitteln Projekteinsätze und regeln dazu nötige Formalitäten. Für Hilfs- und Aufbauprojekte in aller Welt werden Vertreter vieler Berufsgruppen gesucht. Voluntary Service Overseas Die weltweit führende unabhängige Organisation, die Freiwillige in Entwicklungsländer vermittelt. Kooperationspartner namhafter Unternehmen wie die Unternehmensberatung Accenture oder der Gesundheitskonzern AstraZeneca. Info: www.vso.org.uk. Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen Im Kampf gegen den Hunger werden nicht nur Spenden benötigt, auch personelle Unterstützung durch Firmensponsoren ist gefragt. Info: http://one.wfp.org/german
Dieser Artikel ist erschienen am 11.08.2010

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