Interview mit Claudia Kemfert

"Langstreckenflüge verhageln meine Bilanz"

Michael Detering
Kriegen Sie Jobangebote aus der Wirtschaft oder Politik?
Die gibt es gelegentlich.
Von Energiekonzernen?
Es gibt aus allen Bereichen Anfragen. Mir ist aber der wissenschaftliche Bezug der Aufgaben sehr wichtig. Ich bin daher am DIW sehr glücklich.
Auf Ihrer Homepage geben Sie an, Sie seien ein Fan des Films "Die nackte Kanone 2 1/2". Was ist Ihre Lieblingsszene?
Der amerikanische Präsident beauftragt in dem Film den Wissenschaftler Dr. Meinheimer, eine Studie zu erstellen, wie sich das amerikanische Energiesystem vollständig auf erneuerbare Energien umstellen lässt. Den Lobbyisten der Atom-, Öl- und Kohleindustrie gefällt das natürlich nicht, sie versuchen Meinheimer auszubremsen. Am Ende schafft es Meinheimer trotzdem, seine Rede zu halten, doch alle Journalisten fallen sofort in Tiefschlaf! Das ist die beste Szene.
Mögen Sie den Film eher wegen des Witzes oder wegen des Realitätssinns?
Damals mochte ich den Klamauk lieber als heute. Dennoch scheint der Film einen wahren Kern zu beinhalten. Zumindest in der Vergangenheit waren die Energiekonzerne den erneuerbaren Energien nur wenig zugetan. Und das Thema so aufzubereiten, dass nicht alle in Tiefschlaf fallen, ist eine große Herausforderung. Manche Wissenschaftler neigen dazu, komplizierte Sachverhalte für die Allgemeinheit gähnend langweilig darzustellen.
Claudia KemfertClaudia Kemfert ist Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance in Berlin. 1968 in Delmenhorst geboren, studierte sie Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten Bielefeld, Oldenburg und Stanford.Sie promovierte in Oldenburg, anschließend leitete sie dort eine Gruppe von Nachwuchsforschern. 2004 wurde sie Professorin für Umweltökonomie an der Humboldt-Universität Berlin. Damit war sie die erste Juniorprofessorin, die auf eine ordentliche Professur berufen wurde. Sie ist Beraterin von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Gutachterin des UN-Weltklimarates. Sie ist externe Expertin für die Weltbank und die Vereinten Nationen. Zuletzt war sie im Gespräch als neue Chefin der Deutschen Energie-Agentur (dena).
Dieser Artikel ist erschienen am 09.10.2009

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