Sparkurs

Krisenmanagement für Gründer

Tanja Könemann
Auch aus der Krise der anderen wussten Behlau und Kohle Kapital zu schlagen. Wenn die Zahl der Anbieter auf Käuferportal wächst und die Summe der Käufer schrumpft, ist derjenige im Vorteil, der neue Anfragen als Erster zu Gesicht bekommt. Deshalb ersannen die Gründer einen neuen kostenpflichtigen Service: Gegen eine Pauschale von 50 Euro im Monat und eine einmalige Einrichtungsgebühr in gleicher Höhe können zahlende Nutzer von Käuferportal Anfragen früher einsehen als kostenlos registrierte Mitglieder.Auch neue Investoren helfen aus der KriseWährend die vielen Sparmaßnahmen und Angebotsveränderungen zu wirken begannen, hatte Käuferportal auch bei der Suche nach einem neuen Investor Erfolg. Im Juni investierte die Nordwestzeitung mehr als eine halbe Million Euro in den virtuellen Marktplatz. Dank des neuen Finanziers und des umfangreichen Krisenpakets verschwand die Krise beinahe genau so schnell, wie sie gekommen war. Bereits im März stiegen die Umsätze deutlich an. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen wieder 25 Mitarbeiter. Bald sollen es 30 sein. Höchste Zeit, sich ein neues Ziel zu suchen: "Wir wollen Ende des Jahres schwarze Zahlen schreiben", sagt Gründer Robin Behlau.Entlassen tut wehGründern fällt es häufig besonders schwer, Mitarbeitern zu kündigen. Im Vergleich zu langjährigen Unternehmenslenkern fehlt ihnen die Erfahrung. Außerdem halten die wenigen Mitarbeiter in jungen Firmen vielfach stark zusammen - und zu den Gründern: Man geht gemeinsam für wenig Geld durch dick und dünn und schlägt sich die Nächte zusammen im Glauben an eine Idee um die Ohren. Die Weggefährten in schlechten Zeiten einfach auf die Straße zu setzen, das scheint vielen Gründern unmöglich.Auch wenn noch so schwer fällt: Florian Heinemann (siehe Interview) empfiehlt, die Situation des Unternehmens ehrlich zu schildern. Um das Team zu informieren, sollten Gründer Einzelgespräche vereinbaren. Meistens verfüge das Gründerteam über eine Person, bei der die Fähigkeit besonders ausgeprägt sei, solche Gespräche ruhig und sachlich zu führen. Derjenige sollte mit den Mitarbeitern reden - egal, ob er offiziell zuständig ist oder nicht. Heinemann rät auch, sich im Vorfeld zusammenzusetzen und die Einzelgespräche zu trainieren. "Die Choreographie eines Trennungsgesprächs ist besonders wichtig. Die Gründer sollten im Vorfeld wissen, was sie wie und an welcher Stelle des Gesprächs sagen."Er empfiehlt, zunächst den Mitarbeiter über die für ihn wichtigen Konsequenzen zu informieren. Erst dann sollte die Gesamtlage des Unternehmens als Erklärung folgen. "Wenn man anfangs über die wirtschaftliche Situation spricht, fängt der Betroffene an, über die Konsequenzen zu spekulieren. Das spannt nur unnötig auf die Folter." Mitarbeiter in Schlüsselpositionen sollten zuerst informiert werden, dann alle anderen Beschäftigten, die das Unternehmen verlassen sollen.www.kaeuferportal.de/Lesen Sie zum Thema:Florian Heinemann: "Eine Insolvenz ist kein Drama"
Dieser Artikel ist erschienen am 01.10.2009

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