Büroklima

Kollegen sind nicht die besten Freunde

Tina Groll/Zeit.de
Simone Janson ist Autorin und betreibt das Blog Berufebilder.deFoto: © Privat
Die psychischen wie physischen Anforderungen der modernen Arbeitswelt an den einzelnen Mitarbeiter lassen kaum noch Raum, um Freundschaften zu pflegen. Wenn man aber keinen Ausgleich schafft, ist die Gefahr groß, dass ein Arbeitsplatzverlust auch Freundschaftsverlust bedeuten kann. So bekommt Arbeit einen Stellenwert im Leben, der ungesund ist.
Karriere macht einsam?Das muss nicht sein, aber das Risiko ist da, ja. Stellen wir uns einen jungen Regionalleiter vor, der gerade erst aus dem Kreis seiner alten Kollegen in seine Führungsposition befördert wurde. Viele Menschen berichten nach einem Karrieresprung, dass das gemeinsame Mittagsessen mit den Kollegen plötzlich verkrampfter ist und sich die lieben Kollegen von früher distanzieren, weil man ja nun der Vorgesetzte ist. Das Verhalten ist auch richtig, denn ein Chef muss unliebsame Entscheidungen treffen und das geht umso leichter, je größer die Distanz ist. Viele Führungskräfte suchen sich dann Freunde auf der gleichen Hierarchieebene.Wie sollte man sich verhalten, wenn mit einem befreundeten Kollegen eine Konkurrenzsituation entsteht?Es ist je nach Intensität der Beziehung sinnvoll, dieses Gefühl auch anzusprechen. Fast jeder kennt die Erfahrung, dass ein guter Freund einen auf einmal beruflich überholt und man neidisch ist. Solche Neidgefühle sind normal, gerade dann, wenn man selbst ambitioniert ist.Man sollte sich diese negativen Gefühle eingestehen und wenn einem die Beziehung wichtig ist, das Problem ansprechen. Tut man es nicht, wird die Freundschaft beeinträchtigt. Bei einer normalen Arbeitsbeziehung reicht dagegen ein sachliches Gespräch über die neue Situation.Wie sollte man mit Freundschaftsanfragen von Kollegen und Vorgesetzten in sozialen Netzwerken umgehen?Das ist eine Frage, für die derzeit in verschiedenen Unternehmen Lösungsansätze diskutiert werden. Manche Konzerne haben bereits sogenannte Social Media Guidelines auf den Weg gebracht, in denen diese Frage geregelt ist. Generell richtet sich die Antwort danach, wie ein soziales Netzwerk genutzt wird. Wenn Sie eine Plattform ausschließlich privat nutzen, ist es auch Ihre private Entscheidung, sich mit Kollegen oder Vorgesetzten zu vernetzen. Problematisch ist jedoch, dass sich beispielsweise Facebook zu einer Mischform aus privaten und beruflichen Kontakten entwickelt. Das spiegelt die enge Verzahnung von Berufsleben und Privatleben wider. Aber: Bei Facebook gibt es mittlerweile die Möglichkeit, benutzerdefinierte Einstellungen vorzunehmen. Sie können festlegen, welche Einträge die lieben Kollegen oder der Chef von Ihnen lesen darf und welche nicht. Man kann seine Kontakte speziellen Gruppen zuordnen und seine Pinnwand nur für die engsten Freunde sichtbar machen.Verraten Sie uns, wie Sie die Trennung zwischen Berufs- und Privatleben schaffen. Ehrlich gesagt ist es ein immerwährender Prozess. Soziale Beziehungen sind ja nicht konstant, sondern entwickeln sich dynamisch – ebenso wie die Arbeitswelt. Klar gibt es da auch mal Zoff. Und es gibt auch die langjährigen beruflichen Kontakte, aus denen sich echte Freundschaften entwickeln. Auch ich schaffe es nicht, eine strikte Trennung der Bereiche aufrechtzuerhalten. Das wäre auch künstlich und nicht authentisch. Niemand kann ja zwischenmenschliche Konflikte zwanghaft vermeiden. Sie gehören nun mal zum Miteinander dazu, im Job wie im Privatleben. Allerdings rate ich dazu, eine gewisse sachliche Distanz zu wahren, wo es nötig ist.(Zuerst erschienen auf ZEIT ONLINE)Lesen Sie weitere Tipps für den beruflichen Alltag:
Trends: Mach' mal Pause! 
Tipp: "Der Mensch braucht unverplante Zeit"
Dieser Artikel ist erschienen am 02.08.2010

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