Knietief im Dispo


Spielfilm gelungen, Produzent pleite: Nico Hofmann ließ sich mit seinem damaligen Mitbewohner auf ein TV-Abenteuer in Südfrankreich ein und hatte jahrelang Schulden. Ob er es bereut hat, bei diesem waghalsigen Projekt dabei gewesen zu sein?

Collage über Nico Hofmann Nico Hoffmann erlebte in Südfrankreich ein TV-Abenteuer Foto: © Bente Schipp

Mein schlimmster Job hat sich auch als mein schönster erwiesen. Ich habe vor 25 Jahren mit Roland Suso Richter in München in einer Filmemacher-WG gelebt. Roland war Werbefilmer, aber mit 22 wollte er einen Spielfilm in Südfrankreich drehen mit Heiner Lauterbach und Katja Flint. Der bezeichnende Titel: ,Nur Frauen, kein Leben'. In diesem Drehbuch hatte Roland seinen Blick auf die Liebe verarbeitet. Und ich sollte diese Herzensangelegenheit managen.

Ich hatte die ganze Vorarbeit erledigt. Crew, Sets, Drehpläne standen. Das Projekt würde mindestens 130 000 Mark kosten. Da gesteht mir Roland zwei Tage vor der Abreise, dass er kein Geld hat - aber gar keins! Er hatte nur eine fixe Idee: Er wollte Bernd Eichinger die Filmrechte verkaufen. Es war unglaublich, aber vier Stunden vor Abfahrt des Nachtzugs hatten wir tatsächlich 50 000 Mark in der Hand. Was entweder an Bernds pädagogisch-väterlichem Feingefühl lag oder an Rolands Spottpreis.

Ich war für alles zuständig, auch fürs Catering. Jeden Tag gab's dasselbe: Käse, Brot und Trauben vom Supermarkt. Alle paar Tage fuhr ich das fertige Material illegal mit meinem Interrail-Ticket in die Schweiz, um Kosten zu sparen. Das Geld reichte zehn Tage lang. Dann pumpten wir Freunde, Bekannte, Verwandte an - jeden! Und tatsächlich schickten uns jede Woche 30, 40 Leute Geld, das wir auf dem Postamt in Bonnieux abgeholt haben. Sogar die Schauspieler besorgten Geld.

"Wir hatten jahrelang Schulden"

Zuletzt schafften wir es sogar, im legendären Café Flore in Paris zu drehen. Eine der wichtigsten Szenen mit Katja Flint sollte da spielen, doch die Miete kostete Unsummen. Wir haben so lange auf den Besitzer eingeredet, Katja natürlich sehr charmant, bis wir für die Stromkosten drehen durften - etwa 40 Mark. Er fand unsere Verrücktheit toll. Und Katja umwerfend.

Wir hatten jahrelang Schulden: beim Kopierwerk, beim Geräteverleih etc., und wir mussten vier, fünf TV-Filme drehen, bis wir davon herunter waren. Bernd Eichinger ließ den Film beim Sender Premiere laufen - das spontane Investment hat sich für ihn rentiert. Mich hat es schlaflose Nächte und graue Haare gekostet.

Aber diese Geschichte hat mir den Wahnsinn des Filmemachens klar gemacht: dass du abhängig bist von der Leidenschaft, vom kreativen Chaos des Teams, das so an einem Film hängt, dass es alles tut, um ihn am Laufen zu halten. Zu merken, was man als junger Filmemacher alles erreichen kann - das war eines der bewegendsten Erlebnisse meines Berufsweges."

Nico Hofmann, 50, ist einer der erfolgreichsten TV-Produzenten Deutschlands. Mit seiner Firma Teamworx hat er u.a. die Filme "Dresden" und "Mogadischu" ins Fernsehen gebracht. Sein Zweiteiler "Das Geheimnis der Wale" wurde im Januar im ZDF ausgestrahlt.

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