Mein schlimmster Job

Kellner in London: Jeden Abend Sex, Drugs und Rock'n' Roll

Mariam Schaghaghi
In der Handelsblatt-Serie "Mein schlimmster Job" erzählen Prominente aus Wirtschaft, Politik und Kultur von ihren ersten skurillen Erfahrungen im Berufsleben. Diesmal: Schönheitschirurg Werner Mang. Er flog in den 70ern mit Rockermähne nach England und finanzierte sich sein Studium in einem Club als Kellner.
Werner Mang: Als Student kellnerte er in LondonFoto: © ullstein - M
Seit meinem 14. Lebensjahr musste ich nebenbei Geld verdienen. Auch später als Medizinstudent. Denn ich erhielt kein Bafög, weil mein Vater Beamter war. Was habe ich nicht alles gemacht: Ich war Bademeister, Tennis- und Skilehrer, habe Steine geschleppt, Bäume gefällt und bin Taxi gefahren. Nach dem Physikum 1971 wollte ich dann unbedingt nach England - wegen der Uni und wegen London. Ich fuhr damals auf Rock 'n' Roll ab, war ein hartgesottener Stones-Fan mit schulterlangen Haaren - da war London "the place to be". Bald brauchte ich Geld, also heuerte ich im Germans Club in Soho als Kellner an. Und das wurde zum Horrorjob.
Es begann schon mit der Arbeitszeit: Ich fing um 23 Uhr an und bediente bis halb sechs morgens. Dann musste ich noch aufräumen. Gegen sieben Uhr schleppte ich mich zum Chinesen, quasi zum Mittagessen. Mein Bio-Rhythmus geriet durcheinander, von Studium war keine Rede mehr. Ich verschlief den ganzen Tag. Gäste im DrogenrauschDie 70er Jahre waren ja die Drogenzeit. Ich bin zwar standhaft geblieben, aber die Gäste waren alle völlig bekloppt von Hasch und LSD. Die flippten jeden Abend total aus. Sex, Drugs and Rock 'n' Roll eben. Und jeden Abend staunte und stöhnte ich mehr: "Das sind ja alles Irre hier drin!" Der Club war ein finsterer Laden - nicht nur im übertragenen Sinne. Es war so düster, dass ich dauernd angerempelt wurde, was das Bedienen für mich extrem schwierig machte. Zum Glück gingen aber nur Gläser zu Bruch, keine Knochen.Pro Woche habe ich um die 150 Pfund verdient. Das waren damals etwa 500 Mark - astronomisch viel. Die Irren waren eben auch irre spendabel beim Trinkgeld. In München habe ich damals von 300 Mark einen ganzen Monat gelebt.Ich habe gute Nerven und konnte das Geld wirklich brauchen, aber nach drei Wochen habe ich erkannt: "Wenn ich hier weitermache, kann ich mein Studium vergessen." Und habe gekündigt. Das ist der einzige Job, den ich je hingeschmissen habe. Aber ich wäre sonst kaputtgegangen: Ein oberstressiger Job, der keinen Spaß macht und dich körperlich und psychisch schlaucht, bringt's nicht - auch nicht, wenn man dabei mal Mick Jagger kennen lernt.Lesen Sie von anderen schlimmsten Jobs:
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Dieser Artikel ist erschienen am 15.07.2010

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