Kein Platz für linke Ideale


Als Abiturient zeigte Burkhard Schwenker seinen Enthusiasmus für die linken Ideale der 68er. Doch in einer gewerkschaftseigenen Puddingfabrik machte er seine schlimmsten Job-Erfahrungen. Heute sieht er dieses Ereignis jedoch positiv.

Burkhard Schwenker, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Roland Berger Schwenker arbeitete als Abiturient in einer Puddingfabrik Foto: © PR

Meine Eltern hatten in dem kleinen Dorf in Westfalen, aus dem ich komme, eine eigene Tischlerei. Es war selbstverständlich, als Sohn im elterlichen Betrieb früh mitzuarbeiten. Ich habe das nie besonders gerne gemacht, aber es wäre übertrieben, das als schlimmsten Job zu bezeichnen. Heute leiden die Handwerker, die ich privat einsetze, unter den Erfahrungen aus der Tischlerei. Jeder Pfuschversuch wird geahndet.

Ich habe viele verschiedene Jobs gemacht: auf dem Bau, in einer Schraubenfabrik, auf dem Großmarkt, als studentische Hilfskraft an der Uni. Es war mir immer wichtig, finanziell unabhängig zu sein.

Im Nachhinein neigt man dazu, alles immer etwas rosiger zu sehen. Das liegt ja inzwischen auch alles mehr als 20 Jahre zurück. Aber der schlimmste Job, den ich je hatte, war als Hilfskraft in einer gewerkschaftseigenen Puddingfabrik. Ich musste verschiedene Pulver, die in schweren Säcken angeliefert wurden, in einem großen Bottich vermischen und zu einer gallertartigen Masse verrühren.

Ineffizienter Gewerkschaftsbetrieb

Beseelt von den linken Idealen der 68er, die in der westfälischen Provinz mit zehn Jahren Verzögerung angekommen waren, trat ich dort als Abiturient meinen Job an. Ironie der Geschichte: Dieser Gewerkschaftsbetrieb verkörperte geradezu idealtypisch alle "bösen" Eigenschaften, die Karl Marx dem kapitalistischen System zugeschrieben hatte: Die Arbeitsbedingungen waren katastrophal, die Bezahlung war miserabel und das Klima frostig.

Hinzu kam, dass die Fabrik völlig ineffizient organisiert war. Flache Hierarchien waren ein Fremdwort, die Mitarbeiter obrigkeitsfixiert, und Entscheidungsprozesse zogen sich in die Länge, weil jede Kleinigkeit lang und breit diskutiert werden musste. Eine härtere Desillusionierung hätte man als junger Linker kaum erfahren können.

Insgesamt profitiere ich heute noch von den Erfahrungen aus diesen Jobs. Ich habe auf diese Weise fremde Lebenswelten kennengelernt und weiß heute, dass ich in meiner Karriere auch ausgesprochenes Glück hatte. Und mein Vater hat mir verziehen, dass ich die Tischlerei nicht übernommen habe.

6 Kommentare zu “Kein Platz für linke Ideale”


von Steffen am 08.03.2010 11:25 Uhr



von GTI am 05.03.2010 16:57 Uhr



von Klaus Peter Kraa am 05.03.2010 15:24 Uhr



von Minimax am 05.03.2010 15:09 Uhr



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