Felicitas von Elverfeldt

"Kein Dax-30-Unternehmen verzichtet auf Coaching"

Christoph Mohr
Die meisten Ihrer Kunden sind heute nicht Einzelpersonen (Manager), sondern Unternehmen. Führt es nicht zu Interessenkonflikten, bzw. Verärgerung, wenn ein von Ihnen gecoachter Manager sich entscheidet, das Unternehmen zu verlassen?
Als Coach habe ich meist mindestens zwei Auftraggeber: den Kunden und das Unternehmen, welches in der Regel zahlt. Dazu kommt bei Bedarf noch die Einbeziehung des Vorgesetzten. Falls ein Kunde von mir sich im Coaching nach reiflicher Überlegung dazu entschließen sollte, die Firma zu verlassen, wäre es für die Firma auch nicht gut, einen nicht vollständig überzeugten Manager weiter zu beschäftigen. Es ist für beide Seiten besser, wenn der Manager sich klar darüber ist, ob er zu der Firma und Aufgabe steht oder sich woanders besser aufgehoben fühlt.
Sie arbeiten als Coach nicht nur in Einzelgesprächen mit ihren Kunden, sondern häufig auch mit seinen Mitarbeitern. Wie genau sieht das aus?
Es kann sein, dass ich mit dem Chef und seinem Team ein Teamcoaching mache und eventuell davor mit allen direkten Mitarbeitern Interviews führe. Wichtig ist dabei die Transparenz. Das heißt, die Mitarbeiter sollten wissen, dass ich ihren Chef coache, was meine Rolle genau ist und wozu ihre Kooperation ihnen selbst nutzen könnte. Weiterhin ist es immens wichtig, sich an vereinbarte Spielregeln bzgl. Vertraulichkeit konsequent zu halten. Dann ist es wichtig, klar zu kommunizieren, dass z.B. die Inhalte der Interviews vertraulich behandelt werden und themenspezifisch anstatt personenspezifisch ausgewertet werden, z.B.: „Durchschnittlich ist die Zufriedenheit mit der Führung bei 80 Prozent.“ oder: „Alle Mitarbeiter sind der Meinung, dass die Meetings nicht effizient sind.“
Fürchten die Mitarbeiter denn nicht, dass Sie gleichsam als „Spionin“ ihres Vorgesetzten arbeiten?
Diese Befürchtungen gibt es sicher manchmal zu Beginn. Daher spreche ich dieses Thema meist ganz offen zu Beginn an und kläre meine Rolle und die Vereinbarung bzgl. Vertraulichkeit.
Ihre Kunden sind meist verheiratete Männer eines gewissen Alters. Über die wissen Sie dann meistens mehr als deren eigene Ehefrauen. Führt das nicht mitunter zu schwierigen Situationen?
Bislang war dies noch kein Problem. Es gab schon Fälle, wo auch die Ehefrauen zu mir kamen. Dann ist Vertraulichkeit natürlich besonders wichtig.
Als Coach (und Diplom-Psychologin) werden Sie natürlich auch häufig mit den beiden schwersten Managerproblemen konfrontiert: Eheproblemen und Alkoholproblemen. Wie gehen Sie damit um?
Menschen mit Suchtproblemen wie zum Beispiel Alkohol benötigen andere professionelle Hilfe. Eheprobleme kommen schon gelegentlich vor. Ich gehe im Coaching darauf ein, aber sorge dafür, dass der Fokus im beruflichen Kontext bleibt und das Coaching nicht in eine Paartherapie mutiert. Es gab schon Fälle, da war plötzlich die Ehe das Thema Nr.1 und der Kunde hat für diese Sitzungen auch selbst gezahlt.
Gibt es Grenzen, an denen Sie sagen: Das will ich gar nicht mehr wissen?
Intime Einzelheiten aus den Beziehungen gehen mich nichts an. In der Rolle als Coach habe ich auch einen Einfluss darauf, wie nah bzw. distanziert die Gespräche sind und sorge für eine gute Balance zwischen diesen beiden Polen.
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Dieser Artikel ist erschienen am 10.09.2008

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