Arbeitsmarkt

Kaum Chancen für die Jugend

Zeit.de / Tina Groll
Die Sorge ist nicht unberechtigt. Einer DGB-Studie über die Arbeitsmarktchancen junger Erwachsener zufolge befinden sich 25 Prozent der beruflich qualifizierten Berufseinsteiger in einer Art Übergangsendlosschleife: Nach einer Weiterqualifizierung wechseln sie in befristete Jobs, Leiharbeit, Praktika, unfreiwillige Teilzeitarbeit oder Freiberuflichkeit, dann in die Arbeitslosigkeit, bevor alles wieder von vorn beginnt. Zur Planungsunsicherheit kommen mangelnde Entwicklungschancen und niedrige Einkommen: Die Hälfte der jungen Arbeitnehmer bis 30 Jahren verdient bis zu 1500 Euro brutto – in Vollzeitbeschäftigung. Jugendarbeitslosigkeit wird unterschätztDie Krise verschärft die prekäre Berufssituation der Jugend weiter: Zwar haben die Unternehmen bislang nur wenige Mitarbeiter entlassen, aber sie stellen auch keine neuen mehr ein und verlängern auslaufende Verträge nicht. Betroffen sind die Jungen, die neu auf den Arbeitsmarkt kommen und diejenigen, die vor der Krise befristete Verträge unterschrieben haben. "Berufseinsteiger werden auf höchste Flexibilität bei geringer Bezahlung und wenig Sicherheit konditioniert. Was auf der einen Seite als sozialversicherungspflichtige Beschäftigung für Jüngere verschwunden ist, ist auf der anderen Seite als prekäre Beschäftigung aufgetaucht", heißt es in der DGB-Untersuchung "Jugendarbeitslosigkeit wird unterschätzt". Und obwohl es ein generationenspezifisches Phänomen ist, erleben viele junge Menschen das Nicht-Ankommen in sichere Beschäftigung als persönliches Versagen.Janina Michel kennt dieses Gefühl. "Natürlich fühlt man sich wie ein Versager. Meine Eltern verstehen nicht, dass ich nichts gebacken bekomme", erzählt sie. Schon nach ihrem Studium hat sie ein Jahr lang eine Stelle gesucht. Dabei war die Germanistin nicht auf den Journalismus festgelegt. "Ich wusste ja, dass es in den Medien prinzipiell schwierig ist. Ich habe mich auch in ähnlichen Branchen beworben. Irgendwann will man nur noch einen Job haben", erinnert sie sich. Als sie nach vielen unbezahlten Hospitationen und einem Nebenjob in einer Fabrik am Fließband das untertariflich bezahlte Volontariat angeboten bekam, griff sie zu. Und jetzt heißt es: Zurück auf Null, erneut auf Jobsuche.Familienplanung muss wartenDer Wunsch nach Sicherheit ist unter der jungen Generation groß. Der DGB hat umfangreiche Forderungen an Politik und Wirtschaft formuliert. Mehr Unternehmen müssen ausbilden, es muss eine umfangreichere Nachbetreuung bei der Vermittlung in Ausbildung geben – und auch beim Übergang von Ausbildung in Beschäftigung muss es Hilfen geben. Ein-Euro-Jobs und das Hartz-IV-System haben sich bisher als nicht erfolgreich bei der Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit gezeigt. Die Sicherheit der Älteren kostet die Zukunft der Jungen."Alles verschiebt sich nach hinten. Familienplanung, Alterssicherung", sagt Linda Schumann. "Und wenn ich dann daran denke, dass auf die Kosten meiner Generation die Banken gerettet werden, könnte ich eigentlich nur noch heulen."(Zuerst erschienen auf ZEIT ONLINE)Lesen Sie weitere Artikel zum Thema "Jobchancen"Guter Job? Der Blickwinkel entscheidetUnter der Lupe: Googeln Sie Ihre Bewerber?Richtig bewerben: So machen Sie auf sich aufmerksam
Dieser Artikel ist erschienen am 18.12.2009

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