Grüne Energien

Jobs in der Energiebranche

Kirstin von Elm
Markus Hester will der Erde Energie entlockenFoto: © Thomas Linkel
Porträt: Markus Hester
Reise zum Mittelpunkt der Erde Markus Hester zapft Wärmequellen in mehr als 4 000 Metern Tiefe an. Das Wort Störung hört keiner gern - außer Markus Hester. Der Energietechnik-Ingenieur aus Aachen sucht sie dringend, denn für ihn haben die sogenannten Störungen - Gesteinsschichten mit heißem Wasser in Tausenden von Metern Tiefe unter der Erdoberfläche - großes Potenzial: "Wir hoffen, in rund 4000 Metern auf eine Störung zu treffen, die wir anbohren können", sagt der 31-Jährige, der für den Ingenieurdienstleister Renerco zwei geplante Geothermie-Kraftwerke bei Aying in der Nähe von München betreut. Diese Quelle wollen die Ingenieure anzapfen, um das von der Erdwärme auf rund 130 Grad erhitzte Wasser an die Oberfläche zu befördern und dort Strom zu erzeugen.Hester ist stellvertretender Projektleiter, er fährt zwei- bis dreimal pro Woche raus zu den Bohrstellen, um ein gutes Dutzend Unternehmen zu koordinieren, die dort für Renerco arbeiten. Im Gegensatz zu den willkommenen geologischen Störungen kann aber auch Hester technische oder organisatorische Störfälle gar nicht gebrauchen. "Ein Bohrtag kostet uns bis zu 45000 Euro", sagt er - deswegen müssen Probleme möglichst schnell behoben werden. Dass es weltweit bisher nur eine Handvoll Vergleichsprojekte gibt, macht seinen Job nicht gerade einfacher. "Zum Teil leisten wir Pionierarbeit." Wenn beispielsweise wie kürzlich in 3000 Metern Tiefe ein Teil des Bohrstrangs verloren geht, kann der junge Ingenieur nicht einfach einen Notfallplan aus der Schublade ziehen. Er muss dann mit seinen Kollegen rasch nach der besten Lösung suchen.Sein erstes Projekt soll 2010 ans Netz gehenAn der Fachhochschule Aachen/Jülich hat Markus Hester bis Dezember 2006 Energietechnik mit Schwerpunkt Erneuerbare Energien studiert. Nebenbei war er wissenschaftliche Hilfskraft. Die Bewerbung auf eine klassische Stellenanzeige brachte ihm Ende 2007 den Job als Projektingenieur bei Renerco ein. Das Münchener Unternehmen mit rund 50 Mitarbeitern ist spezialisiert auf Planung, Bau und Betrieb von grünen Kraftwerken, bisher vor allem Windparks, Solar- und Biomasseanlagen. 2010 will Renerco in Aying sein erstes Erdwärme-Kraftwerk ans Netz bringen. Die geplante Leistung von fünf Megawatt entspricht in etwa einem großen Windpark und reicht aus, um 1000 Durchschnittshaushalte mit Strom zu versorgen. Zwar gibt es in Deutschland nur im Norden und Süden geeignete Standorte für Geothermie-Anlagen, doch dafür ist die Erdwärme aus der Tiefe anders als Sonne oder Wind konstant und rund um die Uhr verfügbar. Für Erdwärme-Experten wie Hester gibt es also noch viel zu tun.

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