Grüne Energien

Jobs in der Energiebranche

Kirstin von Elm
Jobs im Bereich "Erneuerbare Energien"Foto: © Ralph Stegmaier
Entsprechend gefragt sind Ingenieure, die sich mit regenerativen Energien auskennen. In der der mittelständisch geprägten Solarbranche zum Beispiel: Seit 2004 hat sich die Zahl der Beschäftigten bei den rund 15000 deutschen Solarunternehmen auf 75000 verdreifacht. 40 Prozent aller Stellenangebote rund um die grüne Energie richteten sich Anfang 2009 an Sonnen-Profis wie Anne Schlierbach.
"Am liebsten würden wir auf einen Schlag 50 branchenerfahrene Ingenieure einstellen, aber die gibt der Markt leider nicht her", sagt zum Beispiel Klaus Gehrlicher. Der 41-Jährige ist Gründer und Inhaber der Gehrlicher Solar AG in Neustadt Coburg. Das mittelständische Unternehmen plant, baut und betreibt Photovoltaik-Anlagen jeder Größenordnung im In- und Ausland. Der studierte Elektrotechniker und Maschinenbauer Gehrlicher startete 1994 in München als Ein-Mann-Unternehmer. Heute beschäftigt der Bayer mehr als 180 Mitarbeiter.Mit einem Umsatzwachstum von über 1700 Prozent in den vergangenen fünf Jahren gehört Gehrlicher Solar nach Angaben der Unternehmensberatung Deloitte zu den zehn der am schnellsten wachsenden Technologieunternehmen Deutschlands. Um das hohe Tempo zu halten, braucht das Solarunternehmen vor allem branchenkundige Ingenieure, die sofort voll einsatzfähig sind. "Wir stellen aber auch aufgeweckte Absolventen ein, die bereit sind, schnell zu lernen und Verantwortung zu übernehmen", sagt der Firmenchef.Ingenieure mit Berufserfahrung sind knappAuf dem Arbeitsmarkt konkurriert der bayerische Mittelständler mit Branchengrößen wie Solar Millennium, Ersol, Schott Solar oder Solar World um die begehrten Profis. Aber auch der Nachwuchs hat die grünen Arbeitgeber für sich entdeckt. Laut Trendence-Absolventen-Barometer zählt Solar World unter angehenden Ingenieuren zu den derzeit 15 beliebtesten Arbeitgebern.Der Photovoltaik-Konzern aus Bonn beschäftigt weltweit über 2500 Mitarbeiter, ein Plus von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Knapp 2000 Mitarbeiter sind in Bonn und im sächsischen Freiberg beschäftigt, außerdem produziert das Unternehmen noch in den USA und in Südkorea. 2010 will Personalvorstand Frank Henn weltweit rund 500 weitere Mitarbeiter einstellen.Über Bewerbermangel kann er nicht klagen, zumindest nicht was Nachwuchskräfte anbelangt. Früh schon begann das Unternehmen, auf sich als Arbeitgeber aufmerksam zu machen: Herausragende Studien- oder Doktorarbeiten zu Photovoltaik prämiert das Unternehmen jährlich mit dem Einstein-Junior-Award im Wert von 5000 Euro."Von einem Fachkräftemangel können wir gegenwärtig nur bei qualifiziertem Personal mit Berufserfahrung innerhalb der Solarenergiebranche sprechen", sagt Frank Henn. Zum einen sei aufgrund der Wirtschaftskrise die Wechselbereitschaft bei potenziellen Kandidaten gesunken, zum anderen seien Studienangebote mit einem klaren Fokus auf Erneuerbare Energien eine vergleichsweise neue Erscheinung. An vielen Hochschulen haben die ersten Jahrgänge ihr spezielles Bachelor- oder Masterstudium gerade erst begonnen. Berufserfahrene Ingenieure, die ihre akademische Ausbildung klar auf Solartechnologie oder eine andere grüne Energiequelle ausgerichtet haben, gibt es deswegen bislang kaum.Einsteiger müssen einen offensiven Geist mitbringenZu der begehrten Spezies zählt zum Beispiel Markus Hester. Der 31-jährige Diplom-Ingenieur hat an der Fachhochschule Aachen/Jülich von 2001 bis 2006 Energietechnik studiert und konnte dort zwischen den Studienschwerpunkten klassische oder regenerative Energien wählen. Hester entschied sich für die Öko-Power. Heute baut er für einen Münchener Ingenieurdienstleister in Bayern Geothermie-Kraftwerke (siehe Porträt Seite 6). Die Energiegewinnung aus heißen Gesteinsschichten tief im Erdinnern war allerdings auch für ihn Neuland.Obwohl 99 Prozent unseres Planeten heißer als 1000 Grad Celsius sind, steckt die Geothermie in Deutschland noch in den Kinderschuhen - nicht zuletzt deshalb, weil Tiefenbohrungen bis zu fünf Kilometer unter die Erdoberfläche teuer und riskant sind. Insgesamt bietet die Branche in Deutschland derzeit erst rund 9000 Arbeitsplätze bei einem Umsatz von gut einer Milliarde Euro. Zum Vergleich: Mit der Energieerzeugung aus Biomasse sind rund 96000 Menschen in Deutschland beschäftigt. In der boomenden Windkraftindustrie arbeiten mittlerweile 85000 Menschen in Deutschland - mehr als im Schiffbau und der maritimen Industrie insgesamt. In Küstenregionen haben Hersteller von Windenergieanlagen wie Vestas, Nordex, Enercon oder REpower Systems bereits Werften als größte Arbeitgeber abgelöst.

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