Consulting

Jobchancen bei den "Hidden Champions"

Kirsten Ludowig
Patrick Haibach, 39, Berater bei Management EngineersFoto: © Emanuel Bloedt
Praktikanten haben gute Chancen, übernommen zu werden
Da es an deutschen Hochschulen wenige BWL-Fakultäten gibt, die den Schwerpunkt Einkauf anbieten, ist eine solche Spezialisierungim Studium zwar von Vorteil, aber nicht zwingend nötig, um bei Kerkhoff Chancen auf einen Job zu haben. „In letzter Zeit rekrutieren wir verstärkt aus unserem Pool ehemaliger Praktikanten – das hat sich bewährt“, erklärt Geschäftsführer Christian Michalak. „Allerdings lernt jeder Einsteiger in einem Einarbeitungsprogramm die Grundlagen zumThema Einkauf kennen; etwa wie Lieferantenstrukturen untersucht und Beschaffungskosten gesenkt werden können.“Im Gegensatz zu Kerkhoff ist die Beratung Management Engineers laut eigenen Angaben ein Full-Service-Anbieter, der Kunden aus fast allen wichtigen Wirtschaftszweigen betreut; sie ist weder auf Branchen noch Themen spezialisiert. Dennoch hat Patrick Haibach (Seite 5) nach fast einem Jahrzehnt bei Infineon den Sprung zu der Düsseldorfer Beratung gewagt.Erfahrung zahlt sich in der Krise ausDem 39-jährigen Physiker gefiel das Personalkonzept, denn eingestellt werden nur Kandidaten – überwiegend Ingenieure und Naturwissenschaftler – mit einem Minimum von drei Jahren Industrieerfahrung. „Dieses Konzept, das wir seit unserer Gründung1978 verfolgen, versuchen andere Beratungen immer öfter zu kopieren“, erklärt Geschäftsführer Hanno Brandes. „Der Markt fragt zunehmend erfahrene Berater nach. Gerade in der Krise werden versierte Notärzte gebraucht und keine Heerscharen frisch ausgebildeter Sanitäter.“Das scheint sich auszuzahlen. Management Engineers ist im letzten Jahrum31 Prozent gewachsen, der Markt laut BDU nur um geschätzte 10,7 Prozent. Nach 41 Neuzugängen in 2008 sind es nun zwar nur noch 33, aber das entspricht noch immer fast einem Fünftel der Belegschaft. Bis 2015 sollen jeweils 25 bis 30 neue Prinzipal- und Partner- Stellen geschaffen werden, was die Chancen, bei Management Engineers an die Spitze zu kommen, stark erhöht. Auch Patrick Haibach sagt: „Es ist schon auf meiner Roadmap, Partner zu werden – ganz klar.“Allgemein gilt: Der Berater-Alltag bei einem Hidden Champion unterscheidet sich wenig von dem bei einer Top-Beratung; ganz gleich, ob es um die 70-Stunde-Woche oder das hohe Reisepensum geht. Auch die Frauenquote ist bis auf einzelne Ausnahmen nicht höher. Allerdings sind die Hierarchien in der Regel flacher und die Entscheidungswege kürzer. Die Eigentümer oder der jeweilige Gründer sind häufig direkt greifbar wie zum Beispiel bei Kerkhoff, wo alle paar Wochen ein Forum mit Gerd Kerkhoff stattfindet. Durch die geringere Anzahl an Beratern wird der einzelne Mitarbeiter zudem früher in die Verantwortung genommen; von ihm wird schon als Einsteiger erwartet, dass er das eigene Netzwerk nutzt, um neue Kunden zu akquirieren.

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