Die Wirtschaftskrise beutelt Island schwer. Doch wer hier lebt, liebt die Natur, das Sozialsystem und die Offenheit der Menschen. Christian Schoen fördert die isländische Kultur. Seine Freizeit verbringt er am liebsten an einem ziemlich kalten, mächtigen Ort: Der Vatnajökull ist Islands größter Gletscher.
Island ist die Insel der Feen, Wikinger und Walfänger, der Geysire und Vulkane. Auch in Zeiten der Finanzkrise sind das die Klischees, die Reiseberichte und Werbebroschüren von dem Inselstaat im Nordatlantik vermitteln. Christian Schoen mag dieses Islandbild nicht. "Wenn ich in Deutschland Sätze wie 'Jeder Isländer glaubt an Elfen' höre, kämpfe ich dagegen an."Nach mehr als drei Jahren in Reykjavik weiß Schoen, wovon er spricht. Durch seinen Beruf lernte er viele Isländer kennen. Schoen ist Gründungsdirektor des isländischen CIA - Center for Icelandic Art. Der unabhängige Verein unter der Federführung des Kulturministeriums fördert den Austausch isländischer und ausländischer Künstler. Für den promovierten Kunsthistoriker war es eine Umstellung, aus der Millionenstadt München ins 120.000 Einwohner zählende Reykjavik zu ziehen.Doch die Enge der Stadt hat auch Vorteile für die Familie. Ihr Haus liegt mitten im Zentrum und der Kindergarten für die beiden Söhne ist wie Schoens Arbeitsplatz nur 300 Meter von zu Hause entfernt. Zur Flanierstraße Laugavegur mit ihren Bars, Clubs, Kinos und Theatern, in der auch nachts das Leben tobt, sind es nur ein paar Schritte. "Und auf dem beliebten Austurvöllur-Platz vor dem Parlament picknicken wir im Sommer mit Freunden", sagt Schoen.In den ersten drei Monaten war der 39-Jährige ohne Familie in Reykjavik. Er ging abends in Kneipen, um Einheimische zu treffen und kam schnell ins Gespräch mit den offenen Isländern. Beruflich aber hatte er wie viele Ausländer Startprobleme: "Es ist eine unglaublich kleine Gemeinschaft hier, die sich sehr gut kennt", sagt Schoen. In die geschlossenen Zirkel finden Fremde nur schwer hinein.Für Schoen ist die Arbeit seit der Finanzkrise schwerer geworden. Das Förderprogramm des CIA für junge isländische Künstler ist wegen des Währungsverfalls nur noch die Hälfte wert. Und wenn das Zentrum so viele Sponsoren anlocken würde wie der Vatnajökull im Sommer Touristen, wäre der Deutsche froh. Der größte Gletscher Islands ist 260 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Er zeugt von der einmaligen isländischen Natur und ist Schoens Lieblingsplatz. "Wenn er direkt ins Meer kalbt, ist das ein atemberaubendes Erlebnis."
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Foto: G. Altmann/Pixelio
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