Ortswechsel

"In Hongkong ist immer highlife"

Daniela Singhal
Central Business Distrikt Hongkong: ein Wolkenkratzer reiht sich an den nächsten, moderne Glasfassaden soweit das Auge reicht. Hinter einer dieser Fassaden sitzt Ingrun Alsleben an ihrem Schreibtisch im 77. Stock, sie blickt auf den Victoria Hafen und einige der 262 grünen Inseln der Sieben-Millionen-Stadt. "Für mich ist dieser Ausblick fast meditativ."Seit vier Jahren lebt Alsleben in der asiatischen Wirtschaftsmetropole. Sie leitet die Verwaltung von Bayer in Hongkong, ist Chefin von 65 meist chinesischen Mitarbeitern. Nach ihrem Wirtschaftsstudium wurde die 38-Jährige Trainee bei Bayer, arbeitete anschließend sechs Jahre in Peking bevor sie nach Hongkong berufen wurde.Hongkongs Natur begeistertDas Leben in der asiatischen Wirtschaftsmetropole ist schnell und laut, doch Alsleben bewahrt sich ihre Ruhe. Mit ihrem Mann und den beiden kleinen Kindern lebt sie fernab der Hektik in einem Haus an einer grünen ruhigen Bucht auf Lantau Island. "Das ist eher untypisch für Hongkong. Die Menschen leben hier meist in einem Apartment in einem Hochhaus." Private Autos sind in der Bucht nicht erlaubt, man bewegt sich mit Golfcaddies, mit dem Rad oder zu Fuß. Ins Büro fährt Alsleben mit der Fähre.Jeden Morgen schippert sie eine halbe Stunde lang rüber nach Hong Kong Island. "Ich genieße das. Man gewinnt Abstand von der Arbeit und trifft interessante Leute." Am Wochenende zieht es Alsleben und ihre Familie wie die meisten Hongkongnesen ins Grüne: "Wandern ist hier Volkssport. Es gibt in Hongkong so viel herrliche Natur und hunderte Wanderrouten, da fühlt man sich jedes Wochenende wie im Urlaub", sagt sie. Nur 25 Prozent der Fläche Hongkongs sind bebaut, der Rest ist Natur.China zum WohlfühlenNebst der Fauna schätzt Alsleben die positive Grundeinstellung der Menschen, ihren Ehrgeiz und ihre Lust an Veränderungen. "Natürlich sind die Leute hier auch von der Krise betroffen, aber sie lassen sich davon nicht lähmen, sind optimistisch und packen weiter an." Spannend findet sie den Mix aus Multikulturalität, Moderne und chinesischer Tradition. So befindet sich in der Nähe des modernen Hochhauses, in dem sie arbeitet, eine Marktgasse mit Garküchen. Das ist das China, in dem sich Alsleben und ihre Familie wohlfühlen. So wohl, dass Alslebens in Peking geborener Sohn sagt: "Ich bin Chinese."
Dieser Artikel ist erschienen am 24.07.2009

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