"In der Politik wird Architektur als Infrastruktur gesehen"
Stefan Behnisch
"In der Politik wird Architektur als Infrastruktur gesehen"
Sascha Rullkötter
Architekt Stefan Behnisch trat vor 20 Jahren in die Fußstapfen seines Vaters. Im Interview erklärt er, warum er Aufträge von Diktatoren ablehnt, nicht an Genieskizzen glaubt und wie er Machtdemonstrationen des Kapitals einschätzt.
Herr Behnisch, Ihr Vater hat mit den Anlagen für die Olympischen Spiele 1972 in München Architekturgeschichte geschrieben. Sie haben erst Philosophie studiert, und sind dann schließlich doch Architekt geworden. Warum? Als ich auf das Abitur zugesegelt bin, ist jeder davon ausgegangen, dass ich Architektur studiere. Warum, weiß ich nicht. Denn Architektur ist ja keine Erbkrankheit. Und ich habe dann einfach nicht Architektur studiert. Philosophie hat mich interessiert und ich habe es als Studium generale bei den Jesuiten studiert, obwohl ich gar nicht katholisch bin. Parallel dazu habe ich noch Volkswirtschaft gehört. Mein Traum war es eigentlich, Journalist zu werden. Die Architektur hat mich aber nie losgelassen. In meinem Freundeskreis waren einige Architekten. Und dann kam ich zu der Überzeugung, aus Prinzip nicht Architektur zu studieren, ist genauso unsinnig, wie aus Prinzip Architektur zu studieren, und habe mich in Karlsruhe eingeschrieben.War es eher von Vorteil oder Nachteil, den Namen Behnisch zu tragen?
Natürlich hatte es Vorteile. An der Uni ist das noch untergegangen, da ich zu einer Zeit studierte, in der sich alle mit Vornamen ansprachen. Meine Kommilitonen und Professoren haben fast das gesamte Grundstudium gebraucht, um herauszufinden, welcher von den Stefans "der Behnisch" ist. Ich habe jedenfalls nie mitbekommen, dass es hieß, da kommt der Behnisch, der Schnösel. Später, im Büro meines Vaters war die Situation schwieriger, da durch meine Anwesenheit immer ein zweiter Behnisch im Büro war. Mein Vorteil war aber, dass ich fließend Englisch und Französisch gesprochen habe, was damals noch nicht so üblich war. So kam es, dass ich Auslandsprojekte bearbeitet habe, wie zum Beispiel die Bewerbung Istanbuls für die Olympischen Spiele 2000.Wie und wann sind Sie dann aus seinem Schatten getreten? Mein Vater und ich haben recht schnell festgestellt, dass wir am besten örtlich getrennt voneinander arbeiten können. Im Jahr 1989 gründete ich dann mit seiner Unterstützung erst einen Büroableger in Stuttgart, der 1991 selbstständig wurde. Viele Jahre war mein Vater stiller Partner in meinem Büro. Inhaltlich haben wir viele Jahre zusammengearbeitet. Die Büros agierten jedoch nach außen und organisatorisch völlig unabhängig. Der Name Behnisch hat uns von Anfang an großes Vertrauen bei den Auftraggebern gebracht. Viele haben unsere Gesellschafterstruktur aber auch einfach nicht durchschaut. Wir sind durch Wettbewerbserfolge sehr schnell gewachsen. Nach zwei Jahren hatten wir schon 80 Mitarbeiter.Die deutsche Automobilindustrie hat sich mit dem Porsche- und dem Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart und der BMW-Welt in München eigene Landmarken gesetzt. Wie bewerten Sie das?
Das sind Machtdemonstrationen des Kapitals. Früher haben sich andere Institutionen, wie die Kirchen, die Aristokratie, später dann der Staat so dargestellt. Heute hat die Industrie die finanziellen Mittel für solche Bauwerke. Dass die Institutionen, die über die finanziellen Mittel verfügen, kulturelle Wahrzeichen setzen, finde ich in Ordnung. Die großen Familien der Renaissance haben auch nichts anderes getan. Dies hat sich im Lauf der Geschichte schon oft geändert, und ich bin gespannt, wer der Nächste sein wird. Man sollte immer im Auge behalten, dass das Kapital in den jeweiligen Zeiten das Schaffen des kulturell Großen erst ermöglicht hat.
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Foto: G. Altmann/Pixelio
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