Innovationen

Ideen für Deutschland: Zukunft denken

Til Knipper
So war es auch 1990, als sie sich mit der Frage beschäftigten, wie sich die Mobilität in den Städten entwickeln würde. "Geringer Parkraumbedarf, Beweglichkeit in der Stadt und Energieeffizienz kristallisierten sich als die zentralen Anforderungen heraus", sagt Ruff. Die Antwort darauf war ein sparsamer Zweisitzer: der Smart. "Diese Idee rief damals durchaus unterschiedliche Reaktionen im Konzern hervor", sagt Thomas Waschke, Leiter der sozialwissenschaftlichen Systemforschung. Trotzdem gründete der damalige Mercedes-Chef Helmut Werner zusammen mit Swatch-Erfinder Nicolas Hayek 1994 das Gemeinschaftsunternehmen MCC. Vier Jahre später fuhr der Smart los.Bei solch umstrittenen Entscheidungen ist es von Vorteil, dass die Zukunftsforscher in Berlin weit weg von der Stuttgarter Zentrale arbeiten. "Wir erhalten uns so die intellektuelle Unabhängigkeit", sagt Ruff. Durch ständige Rotation bei den Projekten vermeiden die Forscher das in Stuttgart vorherrschende Gruppendenken. Zukunftsforscher brauchen den Mut, auch gegen den Strich zu denken. "Deswegen suchen wir Leute, die eine solide fachliche Qualifikation mitbringen, aber gleichzeitig vielseitige Interessen haben und international orientiert sind", sagt Ruff. Bei einem aktuellen Pilotprojekt in Ulm stellt die Society and Research Group ihre Unabhängigkeit wieder mal unter Beweis. Dort gibt es zurzeit "Car to go". Mithilfe einer Chipkarte können sich registrierte Nutzer Smarts am Straßenrand ausleihen. "Wir untersuchen damit, ob wir das bisherige Automobilgeschäft mit so einem Geschäftsmodell ergänzen können", sagt Waschke.Das ständige Hinterfragen der eigenen Produkte oder des bisherigen Geschäftsmodells ist auch für Marc Drüner einer der Schlüssel erfolgreichen Innovationsmanagements."Dazu müssen Unternehmen regelmäßig untersuchen, welche Auswirkungen langfristig wirkende Gesellschaftstrends auf ihre Geschäfte haben", sagt der Professor für Innovationsmanagement an der Berliner Steinbeis-Hochschule. Ein Thema, mit dem sich auch Anja Mante beschäftigt. Sie promoviert an der Freien Universität Berlin über "Pfadabhängigkeit von Innovationsprozessen" und ist externe Mitarbeiterin bei Daimler. "Hier erfahre ich in der Praxis, wie groß die Beharrungskräfte in Unternehmen sein können", sagt Mante. Dann bestehe die Gefahr, dass ein Unternehmen blind dem bisherigen Pfad folgt, ohne auf die sich verändernde Umwelt zu reagieren. "Erfolgreiche Unternehmen denken auch immer die Alternativen mit", sagt Mante.Akademische Forschung wird auch in den Telekom Laboratories betrieben, aber die Organisationsform ist eine andere. Die Telekom hat 2005 ein gemeinsames Forschungsinstitut mit der TU Berlin gegründet. Wer die Telekom Laboratories im 18. Stockwerk des TU-Hochhauses betritt, bekommt einen Eindruck, wie sich die Zukunft anfühlen könnte. Es gibt keine festen Arbeitsplätze, die Mitarbeiter melden sich mit ihrer Chipkarte an einem großen Monitor an und suchen sich einen freien Platz aus. Heizung und Beleuchtung sind automatisiert. Das Licht geht an, wenn man den Raum betritt, es wird heller, wenn es draußen dunkler wird, und auch die Temperatur passt sich immer den äußeren Umständen an. Schalter gibt es nirgendwo. Wer es heller oder wärmer haben möchte, kann die Geräte von seinem Rechner aus ansteuern. Jens Ahrens verwirrt das manchmal immer noch: "Wenn ich zu Hause bin, frage ich mich, warum das Licht nicht angeht, und wenn ich hier bin, suche ich nach dem Schalter." Hinter der Einrichtung steckt aber ein Plan: "Unsere Mitarbeiter sollen in ihrem Arbeitsalltag täglich mit innovativen Lösungen in Berührung kommen", sagt Leiter Peter Möckel. Jens Ahrens ist einer von 70 wissenschaftlichen Mitarbeitern des Instituts, die im so genannten Strategic Research arbeiten. Daneben gibt es im Innovation Development noch 25 angestellte Ingenieure und Wirtschaftswissenschaftler der Telekom.Die Aufgaben in den Laboratories sind klar verteilt. Die "Strategic Researchers" forschen an langfristig angelegten Projekten, die zu Veröffentlichungen und Patenten führen sollen. Das ehrgeizige Ziel der T-Labs: Im Schnitt soll jede Woche ein Patent angemeldet und jeden Tag eine wissenschaftliche Arbeit veröffentlicht werden. Das "Innovation Development" entscheidet dann, welche Technologien zu neuen Produkten und Dienstleistungen weiterentwickelt werden. Die bekannteste Entwicklung, die es bisher auf den Markt geschafft hat, ist das WLAN-Netz in den ICEs der Deutschen Bahn. "Wegen der vielen Tunnel war das ein technisch sehr anspruchsvolles Projekt", sagt Möckel. Daher habe man es zuerst ausgiebig in einer Straßenbahn in Bonn getestet, die auf ihrer Strecke durch mehrere Tunnel fährt. Gemessen wird der Erfolg der T-Labs an ihrem Beitrag zum Umsatz des Konzerns.

Der jobturbo: eine suche - alle jobs

Thema des Tages

Büro-Organisation

Allgemeinbildung

Werden Sie eine Fair Company

 

Die besten Trainee-Stellen

Karriere-Städteranking

Jobsuche + Bewerbung

Wer verdient wieviel?

Newsletter bestellen

Berufsreport