Interview mit Bastian Fassin

"Ich setze mehr auf Marketing"

A. Reimann, K. Fischer
Ihr Vater hat aber vor Ihrem Eintritt in die Firma einen externen Geschäftsführer eingestellt, der 20 Jahre älter ist als Sie. Ist er ein Vormund?
Keineswegs. Schließlich musste mein Vater die Geschäftsleitung abgeben, als er 65 wurde. Das hatte er selbst so im Vertrag verfügt. Da war ich noch mitten im Studium und Geschwister habe ich keine. Heute finde ich es sehr angenehm, zu zweit zu sein. Es gibt Typen, die wollen in ihrem Unternehmen der König sein. Tobias Bachmüller und ich ergänzen uns dagegen an der Spitze. So kann man einerseits schnell Entscheidungen treffen und bekommt trotzdem ehrliches Feedback.
Sieht Ihr Partner das genauso?
Ja, denn selbst wenn mein Vater und ich uns bei privaten Treffen austauschen, wir treffen keine Entscheidung ohne ihn. Er ist wie ein Familienmitglied.
An welchen Entscheidungen ist Ihr Vater noch beteiligt?
Bei wichtigen strategischen Fragen sitzt er immer mit am Tisch. Wenn wir ein Unternehmen kaufen, binden wir ihn immer mit ein. Vor kurzem saßen wir hier und haben eine Übernahme besprochen. Mein Vater war skeptisch, da haben wir gesagt: Okay, dann machen wir das nicht. Wenn es aber um neue Produkte oder einen Werbespot geht, beschließen wir das allein.
Bei welchen Themen gibt es Konflikte?
Meist sind wir einer Meinung, wenn das nicht der Fall ist, entscheidet das Vertrauen. Bei vielen Entscheidungen gibt es kein Richtig oder Falsch. Da muss man sich dann der Meinung des anderen beugen und dennoch dahinter stehen. Richtigen Streit würde es nur geben, wenn ich das Unternehmen verkaufen wollte. Das ist wie ein altes Familienschmuckstück: Es ist zwar sehr wertvoll, doch solange es keine absolute Notsituation gibt, darf keine Generation es zu Geld machen.
Konnten Sie trotz dieser engen Zusammenarbeit eigene Impulse setzen?
Sicher. Mein Vater war noch sehr produktorientiert wie viele Nachkriegsgründer. Das hat sich geändert, wir setzen stärker auf Marketing.
Haben Sie auch schon eine Marketingstrategie entwickelt, um Ihre Kinder für Katjes zu begeistern?
Das ist gar nicht mein Ziel. Wir sind hier in einer ländlichen Region, da bekommen die das eh ständig mit. Ich muss eher aufpassen, dass sie sich nicht zu wichtig nehmen. Sie haben keine Einstiegsgarantie.
Wie führen Sie Ihre Kinder an das Unternehmen heran?
Ich vermittele ihnen die Werte, die ich für wichtig halte. Ich musste als Jugendlicher für meinen Führerschein im Altersheim arbeiten, das werde ich bei meinen Kindern genauso machen. Sie sollen merken, dass Leistung sich lohnt. Aus ihnen sollen Menschen werden, die der Gesellschaft dienen, sie weiterbringen. Dann werden sie auch ihre Verantwortung für die Familie erkennen und sie als Chance begreifen.
Bastian Fassin
Geboren 1973 in Emmerich, studierte Fassin nach dem Abitur zunächst Betriebswirtschaftslehre in Münster. Von 1998 bis 2000 arbeitete er bei der Unternehmensberatung Roland Berger. Anschließend ging er für vier Jahre zum Lebensmittelkonzern Kraft Foods, wo er Erfahrungen im Vertrieb und Marketing sammelte. Seit 2004 leitet Bastian Fassin als geschäftsführender Gesellschafter gemeinsam mit Tobias Bachmüller die Katjes Fassin GmbH. Bastian Fassin ist zuständig für den Bereich International Sales.
Das von seinem Vater Klaus Fassin 1950 gegründete Unternehmen ist nach Haribo und Storck der drittgrößte deutsche Süßwarenkonzern. Katjes selbst veröffentlicht keine Zahlen, erzielt aber nach Schätzungen in Branchenkreisen einen Umsatz von 200 Millionen Euro. Das Unternehmen wächst auch in der Krise: Im September hat Katjes seinen Anteil an dem französischen Süßwarenunternehmen Lamy Lutti von zehn auf 34 Prozent aufgestockt. Eine Komplettübernahme der Nummer zwei in Frankreich ist nicht ausgeschlossen.
Dieser Artikel ist erschienen am 30.10.2009

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