Florian Langenscheidt

"Ich passe in keine Schublade"

Hans-Peter Siebenhaar
Der Verleger Florian Langenscheidt spricht im Interview mit dem Handelsblatt über seine Vergangenheit als Opernregisseur, die steigende Bedeutung von Vitamin B und die Enden seiner persönlichen Lernkurven.
Florian Langenscheidt im GesprächFoto: © Jan Röder
Herr Langenscheidt, Sie werden als Philanthrop, Multitalent, Autor, Business-Angel und Verleger bezeichnet. Was sind Sie eigentlich? 
Ich bin publizistisch tätig, engagiere mich für Umwelt und Kinder und helfe auch jungen Unternehmern. Außerdem bin ich selbst Unternehmer und Autor. Ich bin vielseitig und passe daher in keine Schublade.
Sie tragen einen prominenten Namen. Ist das eher Bürde oder Chance? 
Eine Bürde war es nie. Für mich war der Name immer eine Chance. Schon in der Schule musste ich meinen Mitschülern immer kleine Wörterbücher mitbringen.
Jetzt mal im Ernst? 
Für unsere Produkte muss ich mich wahrlich nicht schämen. Langenscheidt ermöglicht weltweit Kommunikation. Das ist ein Grund für mich, stolz auf 152 Jahre Firmengeschichte zu sein. Nomen est Marke. Ich stehe mit einem Namen für ein Produkt, das ich liebe.
Gibt es eine Hypothek auf den Namen? 
Man muss natürlich gewahr sein: Wenn man im privaten Leben Unsinn macht, kann das die Marke beschädigen. Es verbieten sich Dinge, die ich ohnehin nicht tun würde. Ich habe Freunde wie Graf Faber-Castell und Ali Ritter. Wir haben die Bedeutung unseres Namens für das Familienunternehmen immer im Kopf.
Sie haben am Anfang ihrer Karriere großen Erfolg im Musiktheater gehabt. War das ein Schnitt, den Sie als Mitglied einer Verlegerfamilie machen wollten? 
Ich rate meinen Kinder, sich in jungen Jahren zu finden und zu beweisen. Ich war mit 18 Jahren noch nicht so weit zu entscheiden, was ich eigentlich machen wollte. Ich habe daher ein breit angelegtes Studium gemacht.
Wie kamen Sie zum Musiktheater? 
Die Regie für zeitgenössisches Musiktheater war eine Leidenschaft, mit der ich gut Geld während des Studiums verdienen konnte. Ich war unterwegs von Indien bis zur Biennale in Venedig. Doch irgendwann wollte ich nicht mehr weiter machen. Ich hatte zu viele andere Interessen. Außerdem habe ich beobachtet, dass man in der Branche, wenn man auf das Geld angewiesen ist, schnell zum Zyniker werden kann.
Wann haben Sie sich für Langenscheidt entschieden? 
Die Entscheidung in den Verlag zu gehen, habe ich erst mit rund 30 Jahren getroffen.

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