Eckart von Hirschhausen

"Ich halte Menschen gesund"

Mariam Schaghaghi
Wäsche sortieren, Betten machen, Urin "kellnern": Für den Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen war das Pflegepraktikum kein Zuckerschlecken. Um den lästigen Pflichten zu entgehen, ließ er sich einen Trick einfallen. Doch er wurde erwischt - und flog raus.
Eckart von Hirschhausen versagte im PflegepraktikumFoto: © Frank Eidel
Mein schlimmster Job war eindeutig mein Pflegepraktikum. Ich war 18, stand kurz vor dem Beginn meines Medizinstudiums und merkte schon bald: Der Umgang mit den Pflegepraktikanten war eher unpfleglich, sie waren Hilfspersonal, das nicht einmal Geld bekam. "Urinkellnern" machte mir nichts aus - im Gegenteil, fand ich es beruhigend, dass man alles wieder abwaschen kann, was von den Produkten des Lebens hängen bleibt.
Aber wie spannt man ein Laken unter einem Bettlägerigen? Aus mir bis heute nicht erklärlichen Gründen, verachten die Einkäufer für Krankenhäuser Spannbetttücher - es müssen brettharte Leinenlaken aus der Zeit vor Erfindung der elastischen Faser sein.Die Profis fixieren das Laken nach dem Glattziehen in Bruchteilen von Sekunden an den Ecken. Weil die Laken maximal 5cm breiter sind als die Matratzen, ist diese Kunst dem japanischen Origami artverwandt und Verpackungskünstler Christo kann gegen eine Krankenschwester einpacken.Spannkraft für nicht mal eine SekundeBei mir hielt die Spannkraft noch nicht einmal für die Sekunde, in der ich mich aus dem Zimmer zu schleichen versuchte. Trotzdem befahl mir die Oberschwester, alleine "betten" zu gehen. Also machte ich der Schwesternschülerin den unschuldigen Vorschlag, ihr beim Sortieren der Wäsche zu helfen, damit wir danach zu zweit die Sisyphosarbeit des Betttuchspannens leisten könnten.Dummerweise erwischte uns die Oberschwester bei diesem anarchischen Akt und ich wurde sofort hochkant rausgeschmissen. Zum Abschied gab sie mir noch den "schwesterlichen" Rat: "Warum machen Sie keine Ausbildung? Handwerker werden immer gebraucht."Dass ich trotzdem Arzt geworden bin, kommt mir im Nachhinein wie ein kleiner Wink vor, für das, was ich heute tue: Menschen gesund halten. Und mit der Stiftung "Humor hilft heilen" dafür zu sorgen, dass es in Krankenhäusern etwas zu lachen gibt. Bis jede Oberschwester und jeder Controller der Krankenkassen weiß: Gescheiter wird man durch scheitern. Und wieder aufstehen. Wie der Clown. Eckart von Hirschhausen ist Kabarettist und Moderator.
Dieser Artikel ist erschienen am 16.03.2010

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